C. M., Berlin

Schon lange Zeit vor ihrer Flucht hatten sich einige Ostberliner darüber Gedanken gemacht, wie sie am besten – und auch am sichersten – den Ostsektor verlassen könnten. Ein alter Opel P 4, der zu einem Lieferwagen umgebaut worden war, und den selbst die Polizei nicht mehr zulassen wollte, schien ihnen am geeignesten.

Sie begannen, den Wagen zu panzern: Die Seitenwände gossen die Flüchtlinge mit Beton und Zement aus, die Türen und den Motor schützten Stahlblechplatten, die drei Millimeter stark waren. Der Fahrer hatte sich eine Stahlplatte vor die linke Hälfte der Windschutzscheibe gelegt: sie war mit 180 kleinen Löchern durchbohrt, die den Fahrer eben die Umrisse der Straße erkennen ließen.

Als sich das seltsame Vehikel der Sektorengrenze näherte, wurde die Volkspolizei mißtrauisch: Der Wagen trug nämlich keine Nummernschilder! Die Vopos eröffneten das Feuer.

Die Windschutzscheibe zersplitterte, das Kühlwasser lief aus und der rechte Vorderreifen platzte mit lautem Knall. Dennoch konnte der Fahrer den Wagen sicher – und mit Vollgas – über die Grenzmarkierung lenken ...

Im Westen stiegen dann fünf Personen aus dem alten Auto. Es trug etwa hundert Einschußnarben.

Peter Hemmerich