Silber und Silberpreis machen von sich reden

Von Melchior Palyi

Seit drei Generationen sitzt das Silber im Armenhaus der Wirtschaft. Sein Rückzug begann im Jahre 1873, als Bismarck die deutsche Silberwährung auf den englischen Typus des Goldstandards umstellte und dadurch erhebliche Summen Währungssilber auf den Markt warf. Holland, Österreich und die Skandinavier folgten; 1874 wurde das freie Prägen von Silber auch in der Lateinischen Münzunion, die Frankreich, Belgien, die Schweiz, Italien, Spanien usw. umfaßte, aufgehoben.

Als nächster Schlag folgte 1892 der Abbruch in der Herstellung von Rupie-Münzen in Indien. Und bald darauf hatte die de facto- Entfernung des Silbers aus der Währung sowohl in Mexiko, als auch in China den Niedergang des Metalls besiegelt. Es gab einfach zu viel davon; fiel es doch an als Nebenprodukt der Grundmetalle, während gerade die währungstechnische Nachfrage versiegte und große Mengen von Münzen für den kommerziellen Gebrauch eingeschmolzen wurden. Die große Depression gab dem Silber den Todesstoß. 40 Millionen Unzen wurden allein von Indien auf den Markt geworfen. Das Preisverhältnis zwischen Silber und Gold stürzte vom fast schon historischen 1 : 15 1/2 auf unter 1 : 100. Trotzdem wird bis zum heutigen Tag das Verhältnis in den USA bei fast 1 : 40 durch Bundessubvention erhalten: Das Schatzamt kauft die heimische Produktion für 90,5 Cents auf und verkauft diese nicht unter 91 Cents (DM 3,64) pro Unze. (Für Silber wie für Gold gilt die sogenannte Troyunze – 31,1035 g.)

„Revolution“ auf dem Silbermarkt

Doch die Subvention von Silber wurde zum Bumerang. Der Verkaufspreis des US-Schatzamts, der ein „Boden“ sein sollte, wurde zu einer „Decke“. Er bestimmt den Weltmarktwert von Silber – solange der Vorrat „freien Silbers“ der amerikanischen Regierung vorhanden ist (Verkaufspreis an der New Yorker Münzanstalt für 92 74 Cents pro Unze). Ende 1960 war der Vorrat auf 123,5 Millionen Unzen geschrumpft, und acht Monate später betrug er nur noch 65 Millionen. Abgebaut mit dieser Geschwindigkeit wird er vor Mitte 1962 erschöpft sein. Was dies bedeutet, scheint klar. Denn 1960 mußte die Produktion von wenig über 200 Millionen Unzen eine Nachfrage von 320 Millionen Unzen decken. Was hat diese völlige Umkehrung in der Lage, vom Überangebot zum Produktionsdefizit, hervorgerufen?

Einmal hat die Produktion fast völlig stagniert. Alte Stollen sind abgebaut worden; zum-Beispiel Bunker Hill, der größte Produzent in den USA hat das Ende seiner Erzreserven erreicht. Der niedrige Preis hat Neuinvestierungen in Silberminen unrentabel erscheinen lassen – hat aber die Nachfrage nach Silber angekurbelt. Und die Nachfrage wächst jedes Jahr um 20 Millionen Urzen; sie kommt von drei Seiten: