HANNOVER (Kestner-Gesellschaft) "Emil Schumacher"

Es sind heute etwa ein Dutzend Namen, die im Ausland die deutsche Malerei nach 1945 repräsentieren. Emil Schumacher, 1912 in Hagen geboren, gehört in diese Spitzengruppe. An deutschen und internationalen Kunstpreisen läßt sich die Kurve seines Erfolges in den letzten Jahren ablesen. Jetzt sind Schumacher-Bilder in der Kestner-Gesellschaft zu sehen, die in den letzten fünf Jahren nur sechs deutsche Maler in ihr Programm der internationalen Elite aufgenommen hat und als das exklusivste Forum in Deutschland gelten darf. Man sieht über hundert Arbeiten aus den Jahren 1934 bis 1961. Es ist naheliegend, in dieser Retrospektive die frühen, gegenständlichen und bisher unbekannten Arbeiten mit den neueren, "abstrakten" Bildern zu vergleichen. Solche Vergleiche sollen im allgemeinen, bei Schumacher genauso wie bei Nay oder Winter, die Konsequenz der Entwicklung beweisen, der Schritt in die Abstraktion soll als logische Folge des Vorangegangenen erscheinen – als ob es in der Kunst auf die Kontinuität des Weges ankäme! Schumachers frühe Arbeiten, schon die Lithographie "Liebesgarten" von 1934 oder das "Strandbild" von 1950, haben ihren Eigenwert. Es ist abwegig, hier einen Zusammenhang mit dem späteren Werk zu konstruieren. Die neue, "ungegenständliche" Phase, die er in den fünfziger Jahren erreicht und die ihm den internationalen Erfolg gebracht hat, weil sie mit allgemeinen Tendenzen übereinstimmt, bedeutet zunächst eine neue Auffassung von Technik und Material, Bildfläche, Farbe und Form werden nicht mehr als getrennte Elemente behandelt, sondern zur Einheit verschmolzen. Das Bild ist farbige, geformte Materie: Reliefbild, Borkenbild, durchfurchte, durchkrustete Oberfläche, "Tastobjekt". Diese Methode ist nicht besser und nicht schlechter als irgendeine andere der neuen Malweisen. Sie ist so gut und so schlecht wie der Künstler, der sich ihrer bedient. Es wird, auch in Deutschland, sehr viel nach dieser Methode gearbeitet. Neben Schumacher erscheint das meiste dieser Art zweitrangig. Seine Bilder, häufig in Erdfarben, in Braun und Grau, mit schimmernden Zwischentönen, mit eingravierten Adern und Rinnen, erinnern an verwitterte Landschaften, an Versteinerungen, an Edelsteine in der Erdkrume, womit weder ihre Schönheit noch ihre Vieldeutigkeit erklärt ist. – Die Ausstellung bleibt bis zum 3. Dezember in Hannover und geht dann nach Münster, Freiburg und Hamburg.

KÖLN (Wallraf-Richartz-Museum): "Haubrich Im Bild"

Der Kölner Josef Haubrich war einer der ersten in Deutschland, der systematisch, großzügig und mit Kennerschaft moderne Kunst gesammelt hat. Die "Sammlung Haubrich" bildet den Grundstock für die moderne Abteilung des Kölner Museums. Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Mäzens zeigt das Kupferstichkabinett Bilder, Zeichnungen und Büsten, die einige der ihm befreundeten Maler und Bildhauer von ihm geschaffen haben. Dix, Herkenrath, Meistermann, Gies sind dabei sowie Gerhard Marcks mit der Bronzebüste von 1953 und zwölf Studienblätfern.

PARIS (Petit Palais): "Kunst des Iran"

In einem atemberaubenden Tempo werden von der Archäologie immer neue Kulturkreise ans Licht gefördert, wissenschaftlich aufgearbeitet und einem Publikum vorgesetzt, das sich für alles Fremde, Unbekannte, Neuentdeckte leidenschaftlich interessiert, wenn es entsprechend sensationell aufgemacht und präsentiert wird. In einem zwanzig Jahre alten Kunstlexikon liest man, daß die Persische Kunst etwa zwei Jahrhunderte gelebt habe, in der Zeit der Achämeniden, vom 6. bis 4. vorchristlichen Jahrhundert. Jetzt zeigt das Pariser Museum, aus Anlaß eines persischen Staatsbesuchs, "7000 Jahre Persische Kunst". Manche der über 1100 ausgestellten Objekte sind tatsächlich erst in den letzten Jahren zum Vorschein gekommen, etwa die 1957 in Amlasch ausgegrabenen Dinge, Vieles, was früher als medisch, ägyptisch, mesopotamisch galt, wurde inzwischen als persischen Ursprungs nachgewiesen. Die Bronzegeräte, Gold- und Silbergeschirre, Terrakotta-Skulpturen, Keramik, Münzen und Kameen stammen aus dem Archäologischen Museum in Teheran sowie aus amerikanischen und europäischen Privatsammlungen. Die Ausstellung wird im nächsten Sommer von der Villa Hügel, Essen, übernommen. g. s.