Immer noch am billigsten: ein Verbot

–ge, Bremen

Bis zuletzt hatte die Direktion der Bremer Straßenbahn AG gezögert, schließlich entschloß sie sich doch und verhängte für die öffentlichen Verkehrsmittel der Hansestadt Rauchverbot. "Es ist eine Schutzmaßnahme im Interesse der Fahrgäste", sagt man in der Hauptverwaltung – wie stets, wenn staatliche und halbstaatliche Unternehmen umstrittene Maßnahmen treffen.

Die Bremer, durch die stickigen Großraumwagen und durch das mangelhafte Angebot an Sitzplätzen in den Hauptverkehrszeiten ohnehin nicht sonderlich verwöhnt, fügten sich dem Dekret ohne Murren. "Die Disziplin war tadellos konstatierte ein Aufsichtsbeamter nach dem ersten "rauchfreien" Tag zufrieden, und eine Bremer Zeitung schrieb: "Die Raucher tragen ihr Schicksal gelassen."

Tatsächlich bleibt ihnen auch gar keine andere Wahl, denn niemand wird sich bei den augenblicklichen Verhältnissen auf den öffentlichen Verkehrsmitteln einmal der Notwendigkeit dieses Verbots verschließen können. Wirklich niemand?

Ebenso wie in anderen Großstädten, wo das Rauchverbot auf den öffentlichen Verkehrsmitteln bereits vor längerer Zeit eingeführt worden ist, gibt es auch in Bremen "Unbelehrbare", die auf den technischen Fortschritt schwören und meinen, solche und ähnliche Mißhelligkeiten ließen sich in unserem technisierten Zeitalter auf andere, die Liebhaber des blauen Dunstes nicht so arg bedrückende Weise beseitigen: etwa durch den Einbau von ausreichenden Entlüftungsanlagen und insbesondere durch eine Verbesserung des Sitzplatz-Angebots.

Aber davon kann vorerst keine Rede sein. Die Direktion der Bremer Straßenbahn versicherte glaubhaft, daß eine solche theoretisch durchaus denkbare Lösung zur Zeit unerschwinglich sei: sie erfordere beträchtliche Investitionen, die ohne eine Erhöhung des Fahrpreises nicht aufzubringen seien. Deshalb also das Rauchverbot, das nichts kostet.

Leidenschaftlichen Rauchern ist die Bremer Straßenbahn unterdessen auf andere Weise entgegengekommen. Die altmodischen Kippaschenbecher, die jetzt zu nichts mehr nützlich sind, wurden Liebhabern gratis überlassen – in Erbpacht, wie von der Direktion betont wird. Der zur Enthaltsamkeit gezwungene Fahrgast kann künftig also zu Hause den guten alten Zeiten nachtrauern, in denen das Rauchen auf der Straßenbahn noch nicht verboten war...