Die außerordentliche HV der Schering AG, Berlin, auf der von 84 Mill. DM AK rd. 46,2 Mill. DM vertreten waren, hat antragsgemäß beschlossen, ein genehmigtes Kapital von 22 Mill. DM zu schaffen. Entgegen der ursprünglichen Absicht der Verwaltung soll es aber nicht auf längstens fünf Jahre befristet sein, sondern sofort in voller Höhe in Anspruch genommen werden. Da somit die bei mehreren Tranchen erforderlichen Spitzenbeträge entfallen, genügt eine Aufstockung von 21 Mill. DM. Die Kapitalerhöhung soll zwar bereits am 29. Dezember des Jahres eingetragen werden, die Einzahlung der Aktionäre und Obligationäre ist aber erst am 2. Januar 1962 fällig. Bei einem Ausgabekurs von 150 vH ergibt sich für die Aktionäre ein Bezugsverhältnis von 14:3, während es für die Inhaber der Wandelanleihe von 1959 bei 7:1 liegt.

Vorstandsmitglied Adam Gahn begründete diese Soforthilfe mit dem Finanzierungsproblemen, die sich Anfang 1962 ergeben. Einmal will die Verwaltung die z. Z. günstige Kapitalmarktlage ausnutzen, zum anderen die gegenwärtige Abkühlung der Berlin-Krise. Bei einem etwaigen Wiederaufleben der Spannungen wäre es vermutlich erheblich schwerer für ein Berliner Unternehmen, Geldgeber zu finden. Die Möglichkeit, dann Banckredite aufzunehmen, bleibt davon unberührt. Der Gesellschaft liegt aber an der Stärkung des Eigenkapitals sehr viel. Zudem verlangt die Umsatzausweitung, die 1959 bei 20 vH, 1960 bei 18 vH gelegen hat und im laufenden Jahr voraussichtlich wieder. 18 bis 20 vH erreichen wird, dringender als ursprünglich erwartet neue Kapazitäten. Der Menge nach ist der Umsatz seit 1958 sogar auf etwa das 2 1/2fache gestiegen.

Auch die nächste Zukunft beurteilt Gahn optimistisch, da in den nächsten zwei Jahren eine Reihe vielversprechender Neuentwicklungen der Berliner Forschungsabteilung auf den Markt kommen werden. Die bereits überlasteten und nur noch begrenzt ausbaufähigen Berliner Werke sollen daher traditionelle und gut eingespielte Fertigungen an das neue Werk Bergkamen (Westfalen) abgeben, dessen erste Ausbaustufe am 1. April 1962 in Betrieb gehen soll. Die laufend von der Forschung neuentwickelten Spezialitäten werden dagegen weiterhin in Berlin produziert werden. Von einer Betriebsverlagerung aus Berlin könne daher keine Rede sein, betonte Gahn. Es handelt sich lediglich um eine rationelle Verteilung der Fertigungen.

Auch in Berlin wird ständig weiter investiert, nicht zuletzt in die Forschung. Die betriebswirtschaftliche Umorganisation hat allerdings nach Gahn immerhin zur Folge, daß sich das Verhältnis der Buchwerte des Anlagevermögens Ende des Jahres auf 57 bis 59 Mill. DM für Bergkamen gegenüber nur etwa 46 Mill. DM für Berlin verschoben haben wird. Das "zweite Bein" von Schering ist damit also schon erheblich stärker als das alte Standbein.

Zur Ertragslage bemerkte Gahn, schon jetzt stehe fest, daß die Dividende für 1961 "nicht schlechter als 1960" sein wird (15 vH). Dank der Produktivität der Forschung läßt sich ferner bereits voraussagen, daß die Ausschüttung für 1962 auf das erhöhte AK von 105 Mill. DM die Aktionäre "nicht enttäuschen" wird. G.G.