Brüssel geht zu weit

Aber die kritische Beurteilung der Brüsseler Entwürfe durch die verschiedenen "Stellen" in Bonn geht ja noch sehr viel weiter. Sie betrifft, wie eingangs schon erwähnt wurde, die handelspolitische Seite der Sache, also die Ablösung eines Systems von Kontingentsverträgen durch ein unter Namen "Abschöpfung" laufendes zollschutzähnliches Verfahren. Und die Ablehnung gipfelt schließlich in der (nicht nur vom Bauernverband vertretenen) Forderung, man möge doch alles Experimentieren mit unerprobten zentralen Institutionen sein lassen – und möge gefälligst die bewährte agrarpolitische Apparatur in den einzelnen Partnerländern einstweilen beibehalten. Solange nämlich, bis innerhalb der EWG alle Wettbewerbsverzerrungen beseitigt und damit die Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb unter gleichen (wirtschaftspolitischen) Startbedingungen gegeben sei.

Manche von denen, die so etwas fordern, halten dergleichen tatsächlich für realisierbar. Andere mögen die Einsicht haben, daß diese so plausibel klingenden und "eingängigen" Forderungen ganz überwiegend aus Schaum bestehen, und nur einen winzig kleinen festen Kern haben. Aber gleichgültig, welche Kritiker man zu der einen, welche man zu der anderen Gruppe rechnen möge: bei dieser kompakten bundesdeutschen Opposition, gegen die Brüsseler Vorschläge zur Schaffung des gemeinsamen Agrarmarktes, müßte beinahe ein Wunder geschehen, wenn es nicht über kurz oder lang (wieder) heißen soll: "keine Einigung – die Sache wird noch einmal vertagt!"