Von Adolf Metzner

Schon die erste öffentliche Vorstellung des neuen "Ausschusses für die wissenschaftliche und methodische Förderung des Leistungssportes" zeigte die Problematik dieses wohlgemeinten Unternehmens auf. Um in der Sprache des Sportes zu bleiben: es gab Beifall und Pfiffe. Der Beifall nahm in einzelnen Fällen sogar frenetische Formen an. Einige Sportjournalisten meinten, nun werde unser Leistungsstandard bis Tokio sprunghaft in die Höhe gehen, nachdem sich die Professoren der Sache angenommen hätten.

Professor Nöcker und das "Intervall", das seien die Säulen des deutschen Sports, konnte man in einem Boulevardblatt lesen. Ein Professor und eine überall bekannte Methode als neue Wunderwaffe im internationalen Sportkrieg? Den Russen mit ihren Dutzenden von hervorragend eingerichteten Instituten, die von Hunderten von Sport-Wissenschaftlern geradezu bevölkert sind, wird soviel Naivität nur ein Lächeln abnötigen können. In der Bundesrepublik dagegen gibt es noch nicht einmal ein Dutzend wissenschaftlich arbeitender Sportmediziner, und von diesen wurden nun wiederum nur drei zu dem Ausschuß hinzugezogen.

Wieviel hier aber noch zu klären ist, bewiesen jene Stimmen, die jeden übertriebenen Optimismus sogleich dämpfen. Der Sportwart des Deutschen Schwimmverbandes, selbst Sportmediziner, sprach von der "Abartigkeit" des heute üblichen Muskelkraft-Trainings.

Vom David zum Goliath

Es ist in der Tat durch all die ausgeklügelten, verschiedenen Kraftübungen des "body-building" möglich – wie in der Pantomime Marcel Marceaus – einen David in einen Goliath zu verwandeln. Es dauert allerdings etwas länger, bis das schwellende und quellende Muskelrelief die bewundernden Frauenblicke auf sich zieht. So behauptet es jedenfalls die Reklame geschäftstüchtiger Unternehmer in der Nachfolge von Lionel Strongfort. Dieser pfiffige Österreicher hatte schon vor dreißig Jahren entdeckt, daß sich die enorme Trainierbarkeit der menschlichen Muskulatur, verbunden mit der Spekulation auf primitive männliche Eitelkeit, leicht zu hohen Bankkonten ummünzen lassen.