BERLIN (Schillertheater):

„Vor Sonnenuntergang“ von G. Hauptmann

Ernst Deutsch wiederholte seine Düsseldorfer Darstellung des Geheimrats Clausen, diesmal innerhalb einer Neuinszenierung von Boleslav Barlog. Dem Tagesspiegel erscheint, sieben Jahre nachdem Werner Krauß die Paraderolle zuletzt in Berlin gespielt hat, der komödiantische Anlaß jedoch als fragwürdig, weil es Hauptmanns „problematischem Rückfall in den Spätnaturalismus“ an künstlerischer „Wahrheit“ mangele. „Barlogs makellose, typengerecht besetzte Inszenierung“ freilich bedeute in „Eva Schwarz’ ins Detail verliebter, dennoch übersichtlicher Bühnenausstattung ... darstellerisch ein Fest.“ Adäquate Partnerschaft zur „großen Schauspielkunst“ Ernst Deutschs wird Karin Remsing als Inken Peters bestätigt. Von anderen Mitgliedern, die erst verhältnismäßig kurze Zeit zum Barlog-Ensemble gehören, konnten sich profilieren: Charlotte Joeres (Frau Peters), Gisela Stein (die „verwachsene“ Tochter Bettina), Sibylle Gilles (Ottilie),

BERLIN (Berliner Theater):

„Prärie-Saloon“ von Heinz Wunderlich

EinWestern-Musical, das bereits an kleinen Bühnen in Schleswig und Hamburg freundlichen Erfolg hatte, ist in der Nachbarschaft von „My fair Lady“ in Berlin plötzlich zu starker Resonanz gelangt. Dank der Inszenierung Ilo von Jankos, unterstützt von der Tanzregie Erwin Bredows und einer „glänzenden Besetzung“ (Ingrid van Bergen „wie eine jüngere Schwester der großen Marlene Dietrich“, Wolf gang Lukschy und Eckard Dux in den Hauptrollen), entstand der Eindruck, als ob auf der kleinen Privatbühne des „Berliner Theaters“ die „Geburtsstunde des deutschen Musicals“ geschlagen habe. Vorsichtigere Kritiker verweisen darauf, daß Wunderlichs Wildwestfilm-Persiflage ein Jux aus gängigen Witzen und die Musik von Lotar Olias zu sehr jener Unterhaltungsmusik verpflichtet sei, die der Komponist parodieren wolle.

BONN (Stadttheater):