Nicht nur auf der Fahrbahn sind Fußgänger durch Kraftfahrzeuge, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, sondern auch auf dem Bürgersteig. Damit sind nicht nur jene Unsitten gemeint, daß Radfahrer den Bürgersteig benutzen oder Autos zum Parken dort Platz suchen. Vielmehr handelt es sich um Kinder, die mit Tretrollern oder anderen Kinderfahrzeugen den Bürgersteig als ihre Rennbahn verwenden. Dabei kommt es oft zu Zusammenstößen, die nicht selten für Erwachsene folgenschwer werden.

Mit einem solchen Fall wurde sogar der Bundesgerichtshof befaßt, der im Urteil vom 27. Juni 1961 (VI ZR 211/60 in NJW 1961 S. 1622) folgende Regeln für den Fußgänger feststellte: Fußgänger, die völlig achtlos den Gehweg überqueren, handeln fahrlässig, mögen die an eine flüchtige Orientierung zu stellenden Anforderungen auch nur gering zu bemessen sein. Das bedeutet praktisch, daß jeder Fußgänger damit rechnen muß, daß plötzlich Hindernisse oder Gefahren auf dem Gehweg auftreten, und zwar besonders bei sichtversperrenden Hauseingängen. Da Kinder nun einmal achtlos handeln und gerade beim Spielen unvorsichtig sind, muß damit gerechnet werden, daß sie einen anrennen oder mit Tretrollern anfahren. Natürlich haben Kinder auf Bürgersteigen gegenüber Erwachsenen keine Vorrechte, aber die Kinder verdienen gewisse Rücksichtnahme und Beachtung. Wenn also ein Kind aus dem Hauseingang oder zwischen parkenden Autos plötzlich hervorgebraust kommt, liegt ein grob fahrlässiges Verhalten des Kindes vor, mit dem Erwachsene normalerweise nicht zu rechnen haben. Sieht man jedoch eine spielende Kinderschar, muß man damit rechnen, daß sie Passanten auf dem Gehweg gefährden können. Also beim Spazierengehen auf dem Bürgersteig muß man wachsam sein. M.