DIE ZEIT

Nachts, wenn die Berliner schlafen...

Walter Ulbricht nutzte den vergangenen Sonntag, um seine Mauer aufs Neue zu verstärken. Plötzlich, in den Abendstunden, schickte er Tausende von Volksarmisten, in Tarnanzüge gekleidet und mit Maschinenpistolen bewaffnet, an die sieben Sektorenübergänge.

Zuwachs für die CDU

Der Ausverkauf der aus der Deutschen Partei und dem BHE entstandenen Gesamtdeutschen Partei geht weiter. Der eine Fusionspartner, die DP, schlägt sich zur CDU.

Soll Berlin für Bonn bezahlen?

Geheimdiplomatie ist ohne Frage eine gute Sache. Und ganz sicher ist es auch vernünftig, wenn demokratische Politiker ihre verdeckten Karten solange fest an die Brust drücken, bis sie sich mit ihrem diktatorischen Widerpart auch wirklich an den Verhandlungstisch setzen.

Streit um Ausschüsse

Zwischen den Unionsparteien und der FDP gibt es Streit um den Vorsitz im Auswärtigen Ausschuß. Die FDP verlangt ihn für Dr. Mende.

Man bezahlt und schweigt

Großes ist in Frankreich geschehen: Es fand sich jemand, der vor der OAS, der französischen Geheimarmee, keine Angst hat. Die Filmschauspielerin Brigitte Bardot weigerte sich glatt, einem Gewährsmann dieser ungalanten Organisation die geforderten 50 000 Francs ,,cotisation“ zuzustecken, und sie scheute sich überdies nicht, das Erpresserschreiben der Öffentlichkeit zu übergeben.

Teure Potentaten

König Saud, der zehn Tage in einem Krankenhaus in Boston zubrachte, um ein Magenleiden auszukurieren, hat sich jetzt in einem Hotel des Seebades Swampscott in der Nähe von Boston für drei Monate einquartiert.

Wie soll es mit Südtirol weitergehen?

Südtirol, niemand kann es bestreiten, ist ein Teil Tirols –, seiner Landschaft und seiner Geschichte –, und es war immer ein sehr wesentlicher Teil.

Zeitspiegel

„Eine stärkere Strangulierung der Freiheit der Repräsentanten des Volkes läßt sich insoweit kaum mehr denken, man sieht sie geradezu zu Lorbeerbäumen im Vestibül des Koalitionsausschusses degradiert.

„Germanski Schpion”

Der „Germanski Schpion“ ist in der sowjetvolkstümlichen Vorstellung kenntlich an einer Boxkamera, die ihm um den Hals hängt und mit der er Geheimaufnahmen von Brücken, Kühen und anderen militärischen Einrichtungen der Sowjetunion macht; ferner an einem Reisebegleiter (wahlweise Studienkollege oder angetraute Frau), der eine geringere Strafe bekommt und vor Gericht in reuevolle Tränen ausbricht; und schließlich daran, daß ausländische Beobachter ihn vor der Verurteilung nicht sprechen dürfen – tunlichst auch danach nicht.

Pearl Harbor: Der verhängnisvolle Sieg

In den frühen Morgenstunden des 7. Dezember 1941 griff eine japanische Bomberflotte von 350 Maschinen den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor an.

Vom Gefangenen zum Gast

Ben Bella, algerischer Minister und prominentester Häftling Frankreichs, bezieht dieser Tage das Schloß Aunoy, den ehemaligen Sitz Aristide Briands, unweit von Paris.

Vom rechten Pfade abgewichen

Die polnische Jugend muß auf den rechten Pfad zurückgeführt werden“, so kommentierte Radio Warschau das Ergebnis einer Umfrage in polnischen Schulen.

Die China-Rechnung Washingtons

Seit nunmehr elf Jahren, seit dem ersten Antrag der Inder, ist es den Amerikanern immer wieder gelungen, wenn auch mit jeweils schwindender Mehrheit, eine China-Debatte in der UN am East River zu verhindern.

Das Mißtrauen gegen Menon wächst

Wer früher in Indien ein politisches Gespräch führte, erlebte es regelmäßig, daß spätestens nach fünf Minuten nur noch über Jawaharlal Nehru diskutiert wurde – über seine Vorzüge, Fehler und über seine Zukunft.

Höcherls Trick

Die Bundesbeamten sind verärgert und enttäuscht über die Sache mit dem Weihnachtsgeld. Viele hatten bereits die 80 DM für den Ledigen, 100 für den Verheirateten und 20 für jedes Kind in ihre Weihnachtseinkäufe eingeplant.

Togliattis weicher Kommunismus

Die Gelegenheit wäre so günstig wie nie zuvor. Die psychologische Krise, die der zweite, von Chruschtsciow eingeleitete Entstalinisierungsprozeß in der KPI ausgelöst hat, wühlt Palmiro Togliattis Partei viel tiefer auf, als die erste Entstalinisierungswelle vor fünf Jahren.

Der „starke Mann“ am Nil

Kairos High Society hat ihren Glanz eingebüßt. Zwar gibt es am Nil auch in diesem Jahr wieder eine Winter-Saison mit vielen Parties, Bällen und kulturbeflissenen Abendveranstaltungen, doch häufig muß der Gastgeber auf sparsame Haushaltung achten, weil er vor kurzem erst ein Landgut oder ein Aktienpaket gegen Schuldverschreibungen des Staates abtreten mußte.

Zwischen Buddha und Marx

In einer Gefängniszelle in Colombo sitzt einer der ehemals höchsten buddhistischen Würdenträger Ceylons, der Abt Buddharakita.

Soll die Verfassung geändert werden?

Die beschämenden Koalitionshändel bei der Regierungsbildung in Bonn haben die Kritiker auf den Plan gerufen. Und diese begnügten sich nicht damit, die Akteure in Bonn zu tadeln; sie fragten, ob nicht vielleicht die Verfassung der Bundesrepublik in einigen Punkten korrekturbedürftig ist.

Bremen.: Kleines Land mit großen Plänen

Bremen ist eine reiche Stadt, aber auch daskleinste Land der Bundesrepublik. Die Bremer haben sich ihre Eigenstaatlichkeit einiges kosten lassen und wollen es auch in Zukunft tun.

Nordrhein-Westfalen: Affe unzumutbar

Das schier unendliche deutsche Kennzeichensystem für Kraftfahrzeuge scheint doch seine Grenzen zu haben. Zunächst ließ es so viele Kombinationen zu, daß die Zulassungsbehörden jahrzehntelang unbesorgt Nummern verteilen konnten.

Baden-Württemberg: Allzu treues Vaterherz

Der Präsident des Oberschulamtes für den Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern, Dr. Zug‚ hat in dem glänzenden Zeugnis, das ihm Mitarbeiter und Vorgesetzte ausgestellt, haben, eine häßliche Eintragung bekommen.

Weißtanne rechts herum

Kein Rand oder zwei Ränder, ein „Spiegel“ mitoder ohne Strauß, Rottanne links und Weißtanne rechts herum, Koniferen oder Taxuszweige, gesteckt oder nur gelegt – diesen Fachfragen ist der Friedhofsbesucher ausgesetzt, der den Winterschmuck für ein Grab bestellen will.

„Sie glauben, alle Deutschen seien Millionäre“

Entwicklungshelfer in Übersee – das ist ein neuer, aber auch ein harter Beruf. Er verlangt Opfer. Er braucht Idealisten. Was diese Männer erleben, schildern sie in ihren Briefen, die beim „Institut für Entwicklungshilfe“ in Köln-Deutz eintreffen.

ZEIT-Zünder

Ein riesenhaftes Feld üppig blühender Hyazinthen ist zur Zeit Gegenstand von Besprechungen bei der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) der UN.

Lebewesen aus dem All?

Seitdem Satelliten und Raumsonden in das Weltall vorstoßen, ist die Frage, ob es auch außerhalb unseres Planeten Leben gibt, höchst aktuell, und die Biologen, die sich – im Gegensatz zu den Physikern und Chemikern – bislang nur für die Gegebenheiten auf der Erde interessierten, bereiten sich auf ein neues Forschungsgebiet, die Weltraumbiologie, vor.

Richtung Zukunft

Die Befürchtung, daß wir, durch mangelnde Vorsicht und Weitsicht nicht nur unsere eigene körperliche und geistige Gesundheit gefährden, sondern darüber hinaus künftigen Generationen eine untragbare Hypothek auferlegen, wird immer größer und immer berechtigter.

Zurück zum Elektromobil

Drei führende britische Industriefirmen haben sich auf Veranlassung der Forschungsgesellschaft der Regierung zu einem neuen Unternehmen, der „Energy Conversion Ltd.

Erfindungen

Der letzte Schrei in den amerikanischen Viehställen sind die Heuwaffeln. Das Heu wird gleich bei der Ernte von Spezialmaschinen zu Platten von der Größe einer Toastscheibe gepreßt.

Ende eines Forschertraums

Als vor einem Monat der größte Vulkan auf Tristan da Cunha ausbrach und die glühenden Lavamassen die 262 Bewohner der kleinen Insel im Südatlantik aus ihrem Paradies vertrieb, da fand auch eine aufschlußreiche medizinische Beobachtungsserie ein jähes Ende.

Sauerstoffkammer bringt Rettung

Kürzlich wurde ein junger Motorradfahrer in die Universitätsklinik von Glasgow eingeliefert. Er war gestürzt und hatte sich ein Bein gebrochen.

Sanfte Kunst im Siegeszug

Auf dem weiten Feld des abendländischen Sports blüht ein seltsames exotisches Gewächs: Judo. Auch die Weltmeisterschaften in Paris zeigten, was die Eingeweihten wußten, daß diese japanische Kampfübung auch im alten Europa immer mehr Liebhaber anzieht.

Die Zuschauer wandern ab

In England besuchen zwölf Millionen Zuschauer weniger die Fußballspiele als vor zwölf Jahren. In dieser Saison ist die Zahl der Besucher um rund 5,5 Millionen geringer als im vorigen Jahr.

Warnung vor Fiktionen

Das Ansehen, das die deutsche Universität in der Meinung der Öffentlichkeit noch besitzt, leitet sich von einem Kapital her, das vorgestern angesammelt wurde.

Studenten nach Berlin?

Fünfzehn Jahre lang hat Thilo Koch für Berlin gesprochen – direkt über die Wellen des Rundfunks und auf dem Umweg über Druckerschwärze und Zeitungspapier.

Johnson und die Mauer

Geladen hatte der „Circolo Culturale Turati“, eine Vereinigung linkssozialistischer Observanz; aber der eigentliche Gastgeber war Giangiacomo Feltrinelli, der italienische Verleger Uwe Johnsons (und Pasternaks, und Lampedusas, und Carlo Lewis .

Mein Bild

Wenn ich meine Großeltern in Potsdam besuchte, sah ich über dem Sofa in der Studierstube ein Bild, ein Männergesicht. Ein unheimliches Gesicht: immer blickten seine Augen mich an, ob ich an der Tür stand oder am Ofen, sie verfolgten mich, wenn ich durchs Zimmer ging.

Soll man Diktator werden?

Als Kind lebte ich mitten in Deutschland unter russischer Diktatur, und zwar unter der meiner Mutter, und deshalb wollte ich selbst dereinst; mal Diktator werden, sogar fast noch lieber als; Jazzband-Schlagzeuger.

Kleiner Kunstkalender

Otto Pankok, der Zeichner und Graphiker mit sozialem Pathos („Zigeuner“) und wildem Humor („Chinesische Räuber“), hat sich lebenslang, in der Stille, auch als Bildhauer betätigt.

Uwe Johnson am Pranger?

Hermann Kestens auf Gedächtnisprotokolle gestützte Indiskretionen über das, was Uwe Johnson anläßlich eines Abends seines Mailänder Verlegers Feltrinelli gesagt hat, halten einer Nachprüfung nicht stand, obwohl sie in der Münchener „Abendzeitung“ gestanden haben und dann von der Hamburger „Welt“ nachgedruckt wurden.

Alte und neue Versuche

Die inzwischen eingestellten Geheimbesprechungen im Unterausschuß der UN-Vollversammlung zur Ausarbeitung eines Kompromisses zwischen den verschiedenen Abrüstungsvorschlägen der Westmächte und der Sowjetunion haben zu keinem definitiven Erfolg geführt.

Absurde Scherze über die Ehe

Auf Martin Walsers „Abstecher“ – das erste Bühnenstück des Erzählers – reagierte das Uraufführungspublikum im neuen Werkraum der Münchner Kammerspiele seltsam gespalten.

Ohne Gründgens kein Durrell

Diese Vergleichsmöglichkeit war zu verlockend: Zehn Tage, nachdem Gustaf Gründgens in Hamburg „Actis“ von Lawrence Durrell uraufgeführt hatte (vgl.

Zeitmosaik

Vor einem Jahr schien die Karriere des amerikanischen Schriftstellers Norman Mailer ihr schmähliches Ende erreicht zu haben: er traktierte seine Frau mit Messerstichen und ließ sich wegen der Obszönität seiner Gedichte aus einer öffentlichen Lesung eigener Werke hinauswerfen.

Zu empfehlen

Heinrich von Kleist: „Sämtliche Werke und Briefe“, herausgegeben von Helmut Semdner, zweite, vermehrte und auf Grund der Erstdrucke und Handschriften völlig revidierte Ausgabe; Carl Hanser Verlag, München; zwei Bände, 2043 S.

Hüben und drüben: Unvergleichbar

Die Handlung des Bühnenstücks „Die Mauer“ des amerikanischen Autors Miliard Lampell spielt im Warschauer Getto. Die deutsche Erstaufführung fand im November in München statt.

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