Von Ludwig Marcuse

Bisweilen schlage ich im Lexikon nach, ob ein Mann, den ich gern feiern möchte, mit gerade tausend wird oder wenigstens hundert, im schlimmsten Fall nur siebzig. Bei Jubiläen wird einem geglaubt, daß ein Urahn oder ein greiser Zeitgenosse aktuell ist; die Vierzigjährigen haben es leichter.

Der amerikanische Schriftsteller Henry Miller, den ich erstens liebe und der zweitens am 26. Dezember siebzig wird, wurde von seinem Freund Lawrence Durrell „der alte, böse Elefant der amerikanischen Literatur“ genannt. Leider hat dieser erdrückende Vierfüßler nichts zertrampelt – und außerdem macht er mehr den Eindruck eines munteren Wiesels. Im übrigen aber wissen wohl nur wenige von ihm soviel wie Durrell, der gerade

„Ein Henry Miller Lesebuch“; Rowohlt Verlag, Reinbek; 345 S., Paperback, 9,80 DM

herausgegeben hat: „Eine Auswahl aus in Deutschland unveröffentlichten Schriften und aus den Werken Schwarzer Frühling, Wendekreis des Krebses, Der Koloß von Maroussi, Big Sur und die Orangen des Hieronymus Bosch, Plexus, Lachen, Liebe, Nächte und Die Welt des Sexus.“ Ein guter Querschnitt, eine empfehlenswerte Einleitung. Sie wird sehr glücklich ergänzt von

„Henry Miller in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“, dargestellt von Walter Schmiele; Rowohlts Monographien, Band 61, Rowohlt Verlag, Reinbek; 177 S., 2,50 DM.

Und wer englisch liest, sollte die Spezialarbeit „Henry Miller Expatriate“ dazunehmen; sie ist, von Annette Kar Baxter verfaßt, in der University of Pittsburgh Press ebenfalls in diesen Wochen herausgekommen.