Funk

HESSISCHER RUNDFUNK FRANKFURT

11. Dezember, das Hörspiel:

Man sagt Forbes Bramble, einem jungen englischen Dramatiker, nach, er komme aus der Schule von Beckett und Pinter – ein aufreizendes Etikett.

Zu hören war im Funk folgendes: Das Regime steckte zwei Kommunisten und einen Kapitalisten in eine Gefängniszelle. Sie werden einander (weltanschaulich) ungemütlich, und um den Kerkerfrieden zu sichern, lassen sie bei allen Unklarheiten zwei Würfel entscheiden. Dies lädiert aber die Charaktere, denn die beiden schwarzen Dinger entwickeln sich zusehends zu ausgewachsenen Gottheiten, die man anbeten und küssen muß, um sie zu beeinflussen.

Dann der dramatische Donnerschlag: eines Tages soll irgendeiner ausquartiert werden. Man würfelt. Der Jüngste muß gehen und wird erschossen, da das Gefängnis überbelegt ist. Es folgen schlimme Gewissensqualen der Zurückgebliebenen.

Sind diese Gewissensqualen begründet, da doch keiner ausziehen wollte und das Knobeln eine recht verständliche Sache war? Aber in dem Stück ist dies nicht die einzige psychologische Fragwürdigkeit Und dabei bot sich für Bramble mit dem ungewöhnlichen Stoff die Möglichkeit, alles grauenhaft Gespenstische moderner Götzenhörigkeit aufzureißen. Aber was da mit quasi rollenden Augen, an bemühten Hintergründigkeiten und Lebensweisheiten vorgetragen wird, ist papieren und einfallsarm. H. K.