Ein Geburtstagsgruß

Von Joachim A. Mühsam

Der Regisseur Albrecht Joseph hielt 1926 im Berliner Schillertheater, dem „zweiten Haus“ der Preußischen Staatstheater, Probe für Georg Kaisers „Von Morgens bis Mitternachts“. In dem erregenden Stück gerät der zum Defraudanten gewordene Bankkassierer auch in eine Versammlung der Heilsarmee, wo man fromme Lieder singt, das Tamburin schlägt, Lebensbeichten ablegt und zum Schluß Kollekte macht. Kein Schauspieler kannte diese Lieder oder gar ihre Melodien. Da brachte Joseph eines Tages einen jungen Mann mit, breitschultrig, mit etwas starker Nase und einem dichten mahagonifarbenen Haarschopf. „Zuck“, wie er angeredet wurde, ergriff eine Gitarre und begann Schauspielern und Statisten die frommen Gesänge einzutrichtern, Verse wie

„Oh wie schön,

wie herrlich wird es sein,

wenn wir in

den Himmel ziehen ein...“