N. A., London, im Dezember

Der Erfolg der Bermuda-Gespräche zwischen Kennedy und Macmillan hat das britische Foreign Office ein bißchen beunruhigt. Denn für Englands andere NATO-Partner ist doch ganz klargeworden, daß Macmillan mancherlei erfahren hat, während die „übrige“ westliche Welt weiterhin zur Unwissenheit verurteilt ist. Dem General de Gaulle wird diese scheinbare englischamerikanische Konspiration gar nicht gefallen, die darauf hinausläuft, Atomtests in der Atmosphäre wieder aufzunehmen – zugleich aber andere Mächte an ähnlichen Versuchen zu hindern. Weder Frankreich noch die Bundesrepublik werden zudem viel Gefallen an der Vorstellung finden, daß der amerikanische und der britische Botschafter in Moskau unklar abgegrenzte allgemeine Erkundigungsgespräche über die Zukunft Berlins führen sollen.

Diese Moskauer Gespräche sollen so bald wie möglich beginnen. Man nimmt in London an, daß die Amerikaner damit anfangen werden, aufs neue ihre Idee von der internationalen Kontrolle der Zufahrtswege nach Berlin an den Mann zu bringen. Diese Art von Plan, bei dem unterstellt wird, daß an der gegenwärtigen Situation kaum etwas zu verbessern ist und man sie daher am besten möglichst schnell gleichsam auf ein hohes Regal außer Griffweite legt – dieser Plan ist ganz nach britischem Geschmack. Für ihn spricht, so ist hier zu hören, zudem noch die Überlegung, daß im Falle eines Erfolges die USA die Atomtests gar nicht wieder aufzunehmen brauchen.

Sollte mit den Versuchen aber doch wieder begonnen werden, so hat Macmillan dafür die Weihnachtsinseln als Testgelände angeboten. Kennedy schien dieser Vorschlag zu gefallen. Ob er auch der britischen Öffentlichkeit gefallen wird, hängt von einigen Unbekannten ab. Erstens: Wird auch Großbritannien die nuklearen Tests wieder aufnehmen? Dies ist unwahrscheinlich. Zweitens: Wird England – sozusagen als Dank – Zugang zu amerikanischen Atominformationen bekommen? Drittens Werden die Amerikaner aus militärischen Gründen nicht in jedem Fall mit den Versuchen wieder beginnen müssen, wie auch immer die .Gespräche in Moskau ausgehen mögen?

Soviel ist sicher: Amerikanische Atomtests auf englischem Gelände werden in Großbritannien weder von der Linken noch vom ganzen rechten Flügel begrüßt werden. Zweifellos war Bermuda für die Engländer eine schmeichelhafte Sache – aber gerade der Erfolg dieser Konferenz hat ihnen auch neue innenpolitische und außenpolitische Schwierigkeiten beschert.