Nachweihnachtlicher Andrang im Auskunftsbüro des großen Bahnhofs zu F. Drei Schlangen rücken langsam bis an die Barriere vor, hinter der drei trotz Überbeschäftigung freundliche Herren sitzen. Verzwickt sind manche Fragen, die da gestellt werden. Sie beziehen sich auf unbekannte und mysteriöse, selbst dem Fragesteller zweifelhafte Punkte auf einer imaginären Landkarte. Aber einer der drei Herren weiß es. Sekundenlang im abgegriffenen Kursbuch suchender Zeigefinger zieht aus Seite 524 ein entlegenes Heidedorf, aus Seite 271 die Verbindung zu einem Schwarzwalddörfchen. Siegesgewiß, aber bescheiden, mit stillen, freundlichen Stimmen nennen die Herren Zahlen, Daten, Uhrzeiten, Kurswagen...

Eine harmlose, unauffällige Gestalt, bisher namen- und gesichtsloses Glied einer der Schlangen schiebt sich an die Barriere. Ruhig kommt die Frage: „Und wann habe ich von Berlin Anschluß nach Rostock?“

Und dann setzt die Frau noch hinzu, vertrauensvoll und überflüssig: „Da ist nämlich mein Sohn.“

Sie merkt nicht, daß der Finger erstarrt ist, der soeben noch über London wischte und Mailand in Sekundenschnelle heranholte. Langsam blickt der Beamte auf: „Da haben wir gar keinen Plan.“

Er blickt in zwei fragende Augen. „Nein, nicht mehr.“