H. W. R., München

Die Mauern der Burg ragten steil von einem Felsen über dem Tal auf. Der Wagen kletterte tapfer den Burgberg hinauf, 100, 200 Meter. Dann verengte sich der Pfad zwischen den Felsen. Ich drehte die Fenster herunter. Rechts waren noch sechs, links vier Zentimeter Spielraum. Im Kriechtempo schaffte ich es doch noch ohne Kratzer. Doch jedes Feuerwehrauto wäre steckengeblieben.

Ich dachte an die Burg Trausnitz bei Landshut, die vor einigen Wochen brannte. Obwohl sie noch relativ leicht zugänglich war, hatte sich die Feuerwehr darauf beschränken müssen, jene Gebäude zu schützen, die das Feuer noch nicht ergriffen hatte. Wertvolle Teile der Burg verbrannten, und zwar – Ironie des Schicksals – kurz vor dem Tag, an dem die Feuerwehr auf der Burg eine große Brandübung abhalten wollte.

Der Bayerische Landtag macht sich Sorgen um die Schlösser und Burgen des Landes. Die Regierung wird demnächst einen Rechenschaftsbericht über den Stand des Feuerschutzes in den ihr unterstehenden historischen Gebäuden vorlegen. Ein großer Teil der Burgen und Schlösser Bayerns gehört nämlich zum Staatsbesitz. Es gibt in München eine eigene Verwaltung dafür, unter deren Obhut die Residenzen, Schlösser und Burgen der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige und zahlreiche Herrschersitze in Nordbayern, darunter die Nürnberger Kaiserburg und die Würzburger Residenz, stehen. Vieler dieser Bauwerke enthalten wertvolle Sammlungen von Gemälden, Möbeln, Gobelins und Porzellanen. Freiherr Levin v. Gumppenberg, der Präsident der Schlösserverwaltung, hat jedoch für die etwa 30 ihm unterstellten Bauwerke wenig Befürchtungen.

Die im Kriege zerstörten Gebäude wurden möglichst feuersicher wieder aufgebaut und mit automatischen Feuerwarnanlagen ausgestattet. Und die im Kriege nicht zerstörten historischen Bauten? „Hier können wir leider manchmal nicht viel tun“, räumt Freiherr von Gumppenberg ein. „In unseren Schlössern und Burgen ist meist viel Holz verbaut. Wir können schließlich nicht einfach wertvolle Stuckdecken einreißen und sie durch Beton ersetzen.“ Der Einbau von Zentralheizungen und Feuerwarnanlagen erfordere zuviel kostspielige Umbauten.

Die größte Gefahrenquelle sind die elektrischen Leitungen. Sie werden jedoch laufend überprüft und erneuert. Für den Ernstfall ließ Freiherr von Gumppenberg auf fast alle hochgelegenen Burgen und Schlösser Steig-Wasserleitungen legen. Große Hoffnungen setzt er nun auf ein neuartiges Imprägnierungsmittel, mit dem das Holz feuerfester gemacht werden soll. Leider ist es ziemlich teuer. Trotzdem sollen damit in den Bauten die Holzteile gestrichen werden, damit sich Brände nicht mehr so leicht ausbreiten können. Die Schlösserverwaltung kann sich diese Maßnahmen leisten; Bayerns große Schlösser bringen gute Einnahmen.

Der Schlösserverwaltung, untersteht jedoch nur ein Teil des Staatsbesitzes an historischen Bauten. Zahlreiche Schlösser dienen; Gerichten als Domizil und werden vom bayerischen Justizministerium verwaltet, andere unterstehen der Forstverwaltung. Und bei manchen dieser Gebäude wird der Bericht der Regierung nicht sehr optimistisch ausfallen. Das Wahrzeichen Füssens, das aus, dem 14. Jahrhundert stammende Hohe Schloß, ist ein Beispiel dafür. Seit Jahren schon bemüht sich der Hausherr, Landgerichtspräsident Bruckner, um eine Verbesserung des Feuerschutzes.

Noch schwerer haben es die privaten Burgbesitzer Bayerns. Von den über 100 Burgen und 231 Schlössern des Landes sind beim Landesamt für Denkmalspflege mehr als die Hälfte als Privatbesitz registriert. Die runde Million, die das Landesamt für Denkmalspflege jährlich an Zuschüssen vergibt, reicht jedoch kaum für die Restaurierung und Erhaltung bedeutender Kunstwerke aus. Die Mittel für die kostspieligen Feuerschutzmaßnahmen müssen die privaten Burg- und Schloßherren selber aufbringen. Wenn sie es nicht können, bleibt ihnen nur die Hoffnung, daß kein Brand ausbricht.