Die Hoffnung, daß der Kongo nun endlich zu normalen Zuständen zurückfinden werde, schwindet abermals. Und wieder ist es Moise Tschombe, der unberechenbare Regierungschef der Provinz Katanga, der sie fast zunichte gemacht hat. Nach fünfzehnstündigen, zähen Verhandlungen hatte er mit dem Ministerpräsidenten der Zentralregierung, Adoula, ein Abkommen unterzeichnet, das die Rückkehr Katangas in den Staatsverband des Kongo vorsah – ein Versprechen, das er im letzten Jahr schon mehrere Male gemacht hatte, als die Lage für ihn gefährlich wurde. Aber auch diesmal sieht es so aus, als wolle er sich von der Einlösung seines Versprechens drücken. Schon hat der Ministerrat Katangas den Vertrag abgelehnt und erklärt, die Abmachungen seien Tschombe „auferlegt“ worden. Adoula, der Chef der Zentralregierung, hat darauf Tschombe ein Ultimatum gestellt. Wenn er sich nicht innerhalb von fünf Tagen zu dem Abkommen bekenne, würden die Kämpfe aufs neue beginnen. Tschombe antwortete mit einem verklausulierten Ja. Aber ist er wirklich die Schlüsselfigur in Katanga? Wird nicht auch er geschoben und gedrängt? Über die Männer hinter Tschombe berichtet Andrew Wilson, ein englischer Journalist aus der Stadt Elizabethville.

Als der Widerstand der katangesischen Truppen in Elisabethville nach zweiwöchigen Kämpfen zusammenbrach, wurde dadurch nicht nur Tschombes Ehrgeiz, der darauf zielt, einen unabhängigen Staat zu schaffen, schwer getroffen; auch die Legende von der Unbesiegbarkeit seiner von europäischen Offizieren ausgebildeten und geführten Truppen wurde zerstört, und überdies wurden nun auch jene Kräfte deutlicher sichtbar, die Tschombe zum offenen Widerstand gegen die Weltmeinung ermuntert hatten.

Vier Gruppen gibt es unter den weißen Parteigängern des katangesischen Ministerpräsidenten. Eine wichtige Rolle spielen zunächst einmal die Angestellten und Beauftragten der Union Minière, jener wohlhabenden Bergwerksgesellschaft, die die Interessen belgischer und englischer Aktionäre vertritt. Obzwar die Union sich selbst als völlig unpolitische Organisation bezeichnet – ihr Hauptquartier in Brüssel hat Tschombe längst in aller Form die Unterstützung aufgekündigt –, sind die Beziehungen zwischen der Gesellschaft und dem Tschombe-Regime nach wie vor eng. Ein Angestellter der Union Minière, mit dem ich mich über die Kämpfe in Elisabethville unterhielt, sprach, wenn er die Soldaten Tschombes meinte, nur von „unseren Truppen“.

Zur zweiten Gruppe gehören die Kaufleute und Geschäftsinhaber in Elisabethville. Sie sind der festen Überzeugung, sobald Adoulas Zentralregierung auch hier die Macht übernehme, werde das Chaos noch schlimmer werden, und sie befürchten, mit dem Lebenstil, an den sie sich gewöhnt haben, sei es dann endgültig vorbei.

Zur dritten Gruppe gehören die weißen Söldner, die in Tschombes Armee dienen, vor allem jene Ex-Offiziere der französischen Armee, die von de Gaulle aus Algerien verjagt wurden und nun in Katanga eine neue Möglichkeit gefunden haben, ihrer fast schon pathologischen Vorliebe für Kanonen und Waffen zu frönen.

Viertens schließlich – und der Einfluß dieser Gruppe ist keineswegs gering zu schätzen – müssen Sir Roy Welensky und die rhodesische Regierung genannt werden. Sir Roy hat zwar kürzlich erklärt, seine Regierung habe alles getan, was in ihrer Macht stehe, um den europäischen Söldnern, die von Nordrhodesien nach Katanga wollten, den Grenzübertritt zu verwehren. Und er stellte auch in Abrede, daß militärischer Nachschub auf diesem Weg nach Katanga gelangt sei – mit der Einschränkung freilich: „Soweit wir die lange Grenze zwischen den beiden Staaten überwachen kannten

Tatsache ist, daß die Grenzkontrolle an der Straße Kitwe–Elisabethville in den letzten Wochen eine reine Formalität war. Für jemand, der etwa die Absicht hatte, sich den Truppen Tschombes anzuschließen oder in seinem Auto Waffen nach Katanga zu transportieren, war die Kontrolle sicherlich kein Hindernis.