Ein Paradies ging verloren – Erzeuger und Verbraucher kennen sich nicht mehr /

Von Friedrich Körte

Reklame, Werbung, Propaganda – der Mensch ist heute vielen Einflüssen ausgesetzt, die seine Entscheidungen bestimmen wollen. Aus Amerika ist nach dem Kriege der Begriff „Public Relations“ importiert worden, und viele verstehen darunter nur eine besondere Form der Werbung oder Propaganda. Streitbarer Kämpe gegen eine derartige Auffassung ist Dr. Friedrich H. Körte, Leiter der Abteilung Information der Hamburgischen Electricitäts-Werke und Dozent für Public Relations an der Akademie für Führungskräfte in der Wirtschaft, Bad Harzburg.

Immer wenn Wilhelm Bockelmann, Inhaber und Leiter einer angesehenen Möbelfabrik in einer norddeutschen Kleinstadt, auf seinen Urgroßvater zu sprechen kommt, beginnen seine Augen zu glänzen.

„Ja, mein Lieber“, so meint er schmunzelnd, „mein Urgroßvater“, das war der letzte Möbelbauer unserer Familie, der’s gut hatte. Er saß mit seinem Handwerksbetrieb mitten in unserem Dorf, das sich heute Kleinstadt schimpft, aber in Wirklichkeit immer noch ein Dorf geblieben ist. Wo jetzt unsere Fabrikhallen stehen, wuchsen seine Kartoffeln und weideten seine Kühe. Seine Tischlerei betrieb er mit einer Handvoll Gesellen und Lehrlingen, die am gemeinsamen Strang mitzogen, denn sie gehörten ja so gut wie zur Familie. An Weglaufen dachte keiner, es sei denn, es war soweit zum Wandern. Seine Kunden waren ihm sicher. Es waren ja schließlich seine Nachbarn, Handwerker oder Bauern wie er, die er von früh auf kannte. Die wären gar nicht auf den Gedanken gekommen, ihre Möbel oder ihre Häuser von irgend jemand anderem bauen zu lassen als von ihm. Lager- oder Verkaufssorgen kannte er nicht. Er tat ja keinen Handschlag, bevor er nicht den Auftrag dazu bekam. Konkurrenz – er wußte nicht einmal was das war. Abends konnte er gemütlich in den Krug zum Stammtisch gehen und nachts ruhig in seinem Bett schlafen. Alles hatte seine Ordnung und war in Ordnung, und er kam gut zurecht dabei.“

So pflegt Wilhelm Bokelmann, erfolgreicher Geschäftsmann unserer Tage, Chef einer modern eingerichteten Fabrik, Arbeitgeber für rund 500 Arbeiter und Angestellte und insgesamt, trotz scharfer Konkurrenz recht erfolgreich, wehmütig schmunzelnd zu erzählen. Und er hat keineswegs Unrecht. Zu jener Zeit, da sein Urgroßvater den Grundstein für das heutige Unternehmen legte, sah die Welt noch anders aus.

Die „established society“