„Mord“ (USA; Verleih: Constantin): Reichlich fragwürdig in Hitchcocks Laufbahn ist die Periode während des Krieges. Er behandelte damals auch Themen, die im Agentenkampf angesiedelt waren. Und hier nun mußte Hitchcocks artistisches Unterhaltungsspiel mit dem Schock unweigerlich zu kurz greifen. Ein Musterbeispiel hierfür ist der 1940 entstandene „Foreign Correspondent“. Es wirkt einfach grotesk, wenn der New Yorker Auslandskorrespondent (Joel McCrea), den der Regisseur in Europa in die härtesten Abenteuer mit deutschen Spionen hetzt, sich bis zum Schluß sein lauteres Kindergemüt bewahrt, das alleweil nur auf den „Knüller“ aus ist. Auch formal ist der Film ein merkwürdiges Sammelsurium. Da gibt es die Szene der fingierten Ermordung eines prominenten Pazifisten (hervorragend: Albert Bassermann) durch Kriegstreiber, in der blitzartig die politisch überhitzte Atmosphäre vom Sommer 1939 deutlich wird. Daneben stehen so schludrig ins Bild gesetzte Kintoppeffekte wie der Absturz des Flugzeugs. Am ehesten genießt man den Film noch, wenn man nach Motiven in ihrem Frühstadium fahndet, die der Meister dann in seinen jüngeren Filmen wie „Aus dem Reich der Toten“ oder „Der unsichtbare Dritte“ überlegen und legitim ausgearbeitet hat. ktl

„Gefängnis“ (Schweden; Verleih: Neue Filmkunst): 1949 versuchte Ingmar Bergman, „seinen“ Neorealismus zu überwinden oder weiter zu entwickeln – ähnlich wie zur gleichen Zeit die Italiener. Den kruden Naturalismus seiner frühen Elendsschilderungen löste eine distanziertere und reflektiertere Betrachtungsweise ab. Wie später in „Wilde Erdbeeren“ liefert das Geschehen – Schicksale verschiedener junger Leute – die Stichworte für eine Erörterung über Leben und Tod, Hölle und Gott. An die Stelle dramatischer Aktion tritt ein Geflecht aus Handlung, und Dialog, Realität und Traum, Gegenwart und Vergangenheit. „Die Hölle, das sind die anderen“ – der Satz aus „Huis clos“ von Sartre ist auch das Thema dieses Films. Zugleich wird aber gefragt, ob ein „Film über die Hölle“ überhaupt möglich sei – die Diskussion darüber zwischen einem Filmregisseur und seinem alten Lehrer ergibt die Struktur des Films. Der Zuschauer wird zum Partner des Regisseurs, und er wird aufgerufen zur Kritik. Dies macht die erstaunliche Modernität des zwölf Jahre alten Films aus. pat

„Der Mann mit der stählernen Klaue“ (USA; Verleih: Columbia): Nicht nur als Produzent und Regisseur zeichnet George Montgomery verantwortlich – den man bitte nicht mit Robert Montgomery verwechseln möge – er mimte auch den einarmigen Helden des Films und bastelte mit am Buch. Gefeiert wird das Draufgängertum des Captain Larsen, der im Verein mit philippinischen Partisanen einen US-General aus den Händen der japanischen Gegner befreit. Das ist zwar weit von jenem rassenhetzerischen und extrem sadistischen Haßgesang entfernt, den ausgerechnet – Edward Dmytryk 1945 mit „Stahlgewitter“ anstimmte.

Doch bleibt genug Unannehmbares, wenn hier die Heldentaten des einarmigen „Mannes mit der stählernen Klaue“ herhalten müssen, um dem Betrachter einmal mehr zu suggerieren, welch mannhafte Sache der Krieg sei. rpk