Von Wolfgang Ebert

Unglaublich...!“ rief meine Frau und blickte mit schreckensweiten Augen von ihrer Zeitung auf, die sie mir beim Frühstück eigentlich mehr wegen eines Photos von Prinzessin Margarets Baby aus der Hand gerissen hatte. „Wir sind unterwandert!“

„Das Unterwandern ist des Mül...“, begann ich zu singen, aber ein eisiger Blick meiner Frau stoppte mich bei geöffnetem Munde.

„Zwanzigtausend Spione sind unter uns“, sagte sie und sah mich dabei durchbohrend an. „Und bei dir bin ich mir manchmal auch nicht ganz sicher. Zwischen 1953 und 1954 ist bei dir eine Lücke. Was hast du da gemacht?“

„Geschlafen. Übrigens stimmen deine Zahlen wieder mal nicht. Es handelt sich nur um 16 000 Spione. Viertausend weniger, das macht schon was aus!“ „Einige haben, sie erwischt“, stellte sie in ihre? Zeitung fest. „Eben. Die hätte, ich fast vergessen – sechs weniger 16 000 macht: 15 994. Vielleicht sind noch ein paar dazugekommen. Die ganze Sache wird sehr geheim behandelt, damit die Kontaktmänner nicht merken, daß sie kontaktlos geworden sind.“

„Und ein Regierungsrat ist auch dabei.“

„Aber der war nur auf Probe eingestellt. Man sieht’s doch nicht jedem – an der Nasenspitze an, ob er gerne Staatsgeheimnisse verrät oder nicht. Nun kennt man ihn natürlich besser.“