HANNOVER (Galerie Brusberg): „Cimiotti“

Emil Cimiotti ist zuerst 1957 beim Deutschen Künstlerbund hervorgetreten und war seitdem bei allen wichtigen Ausstellungen dabei, wo neue deutsche Kunst auch im Ausland, in Paris, Amsterdam, Venedig, Rio de Janeiro, gezeigt wurde. Cimiotti wurde 1927 in Göttingen geboren, lebt in Stuttgart, hat bei Baum, Hartung und Zadkine studiert – eine für ihn typische Lehrerwahl: immer von einem Extrem zum andern, immer unbefriedigt, Immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten. Nach der Lehrzeit hat er dann überraschend schnell die eigene Formensprache gefunden. Seine Plastik steht formal im äußersten Gegensatz etwa zu seinen Generationsgenossen Hajek und Kricke, die mit dünnen, kantigen, scharf in den Raum vorstoßenden Formen arbeiten. Sie ist rund und voll, ein üppiges Wuchern, mit dem stürmischen Formenpathos des Barock. Cimiotti gehört weder zu den figurativen noch zu den abstrakten Bildhauern. Statt mit der menschlichen Figur zu manipulieren, wie es heute vielfach geschieht und womit sich das Publikum gar nicht befreunden kann, gestaltet er landschaftliche Motive, den „Wald“, einen „Baum“, eine „Südliche Insel“, den „Bera und seine Wolken“. Natürlich sind solche Titel nicht ganz wörtlich zu nehmen, sondern als ein Hinweis auf mögliche Assoziationen. Die „Wolken“ sind wie Tänzerinnen, die über dem Berg einen Reigen aufführen, die mitten in der Bewegung festgehalten, in eine Form geronnen sind. Cimiotti modelliert weder die Wolken noch die tanzenden Mädchen, er findet für beide den gemeinsamen plastischen Nenner. Die Ausstellung bei Dieter Brusberg – 20 Bronzen und ebenso viele Zeichnungen aus den letzten drei Jahren – dauert bis zum 5. Januar und geht weiter nach Braunschweig (Kunstverein) und Hamburg (Galerie Brockstedt).

KÖLN (Overstolzenhaus): „2000 Jahre Glas“

Das Sammeln von alten Gläsern ist neuerdings sehr in Mode gekommen. Glas ist ein sprödes und

zugleich bildsames Material für Gebrauchsgerät, das zugleich Kunst sein kann. Über dieses ungemein reizvolle Gebiet orientiert die berührte Kölner Glassammlung aus dem früheren, im Krieg zerstörten Kunstgewerbemuseum, die jetzt im wiederhergestellten Overstolzenhaus, einem Patrizerbau aus dem 13. Jahrhundert, neu aufgestellt wurde. Sie gibt einen systematischen Überblick über die Geschichte der Glaskunst von der Spätantike bis zu den Erzeugnissen aus modernen Glashütten, über die Arten der Glasbearbeitung durch Schleifen, Schneiden, Stippen und Ätzen, durch Bemalen und Einbrennen der Farbe sowie über die Verwendungsmöglichkeiten von Glasgefäßen. Köln selbst war in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten ein Zentrum der von den Römern übernommenen Glasindustrie. Das zeigen die im Kölner Boden gefundenen Ausstellungsstücke.

ESSEN (ehemalige Synagoge): „Sammlung Industrieform“

Die ständige Musterschau von industriellen Erzeugnissen, die vom Deutschen Werkbund und vom Rat für Formgebung wegen ihrer guten und zweckmäßigen Formen als vorbildlich für Hersteller und Verbraucher empfohlen werden, war bisher im Nebenhaus der Villa Hügel untergebracht. Die Stadt Essen hat jetzt die ausgebrannte Synagoge als ein besonderes Ausstellungshaus herrichten lassen. Die führenden Industriefirmen zeigen hier, daß die heutige Industrieform aus dem, Stadium puritanischer Strenge und eines reinen Funktionalismus heraus ist. Durch neue Materialien, durch Farben, durch den lange verpönten Dekor soll die Eintönigkeit der schlichten, alltäglichen und nichts als zweckmäßigen Gebrauchsformen überwunden werden.