H. B., Göttingen

Vor allem ist der RCDS nicht bereit, auf gleicher Ebene mit einem Verband zu diskutieren, der noch heute klassenkämpferische Parolen des 19. Jahrhunderts vertritt und die demokratische

Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland anzweifelt“, hieß es in einem Beschluß des Göttinger „Rings Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS), den dieser einstimmig gefaßt und allen seiner Meinung nach interessierten Stellen zugesandt hatte.

Was war geschehen? Der Allgemeine Studentenausschuß der Göttinger Georgia-Augusta hatte zu einer Podiumsdiskussion mit den Vertretern der politischen Hochschulgruppen geladen. Außer den drei politischen Hochschulgruppen, die den im Bundestag vertretenen politischen Parteien nahestehen, nämlich dem RCDS, dem „Liberalen Studentenbund Deutschlands“ (LSD) und dem „Sozialdemokratischen Hochschulbund“ (SHB), hatte der Göttinger AStA auch noch Vertreter des „Friedrich-Naumann-Kreises“ und des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes“ (SDS) hinzugebeten.

Das wieder ging dem RCDS gegen den Strich und so klagte er darüber, „daß der Begriff politische Hochschulgruppen‘ vom AStA völlig willkürlich ausgelegt wurde“. Wenn schon SDS und Naumann-Kreis, dann hätte man auch die Vertreter der Korporationen, der ostdeutschen und mitteldeutschen Gruppen, des „World University Service“ und der „Unabhängigen Hochschulgruppen für Wehrkunde“ einladen müssen. Die christlich-demokratischen Studenten schienen bereits wieder vergessen zu haben, daß sie bei einer Vorbesprechung der Auffassung des AStA zugestimmt hatten, bei der Neuwahl dürfe nicht die politische Gruppierung im Bundestag ausschlaggebend sein. „Im Vordergrund sollte die Sachlichkeit der Arbeit unter Berücksichtigung der politischen Differenzierung innerhalb der Studentenschaft stehen“.

Nach diesen Vorbesprechungen schien dem RCDS plötzlich zu dämmern, daß man ihn mißbrauchen wollte. „Nach unserer Auffassung ging es dem 2. Vorsitzenden des AStA ..., der Mitglied des SDS ist, bei der Auswahl der Teilnehmer vor allem darum, seiner eigenen Gruppe ein politisches Forum zu verschaffen und sie dadurch wieder salonfähig zu machen.“ Folglich schmollte der RCDS und blieb der Diskussion fern.

Der RCDS scheint ein gelehriger Schüler des SPD-Parteivorstandes geworden zu sein. Denn am 6. November hat der Parteivorstand die Mitgliedschaft im SDS und in der SPD für unvereinbar erklärt...