Von Hermann Riedle

Zur unchristlichen kommerziellen Aktivität im Weihnachtsmonat Dezember gesellt sich auf Jahresende hin noch eine geradezu unsinnige Flut von Rückblicken, Bestandsaufnahmen und Prognosen für das kommende Jahr, geordnet nach Wirtschaftszweigen, Regionen, Interessengruppen usw. Vom Gesichtswinkel des praktischen Kaufmanns aus gesehen und aus der Perspektive des verantwortlichen Unternehmers betrachtet, hat diese wortreiche, gleichzeitig aber nichtssagende Publizistik wenig Wert. Denn: wo wird gerade und nur auf den 1. Januar hin über Investitionen entschieden, über Projekten und Plänen gebrütet, wo werden expansive oder restriktive Schritte nur beim Jahreswechsel getan – kurzum, wo bringt das Jahresende einen eigentlichen „Unterbruch“ im Wirtschaften? Vielleicht stammen noch aus der altväterischen Buchhaltungslehre jene Vorstellungen vom Bilanzstichtag,, verbunden mit Inventur und dann mit neuem Anlauf auf hübsch frischem Journalblatt. Aber diese Praxis ist leider längst passé – ist eben einfach keine Praxis mehr. Das wirtschaftliche Geschehen kennt keine Pausen, keine Unterbrechungen – höchstens ein saisonales Auf und Ab, und deshalb muß der Kaufmann, der Industrielle zu jeder Tages- und Jahreszeit zurückblicken, Bilanz ziehen und auch Prognosen stellen. Braucht es noch weitere Beweise für die Fragwürdigkeit des leider so verbreiteten Rückschau-Rummels?

Was jedoch immerhin mit guter Berechtigung getan werden kann (auch während des Jahres, nicht nur auf den 1. Januar), ist der Versuch eines grundsätzlichen Ausblicks. Er mag dem einen oder andern die Kräfte wieder etwas ins Gleichgewicht bringen, mag ihm wieder längeren Atem geben. Aber wie gesagt – man sollte sich aufs Grundsätzliche besinnen und ganz bewußt einmal die Zahlen und Statistiken beiseite lassen.

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Wie gestalte ich meine Tätigkeit erfolgreich? So wird sich mancher Geschäftsmann, gebiete er über einen mittelständisch-kleinen Betrieb oder über ein Großunternehmen, fragen. Und da gibt es tatsächlich einiges zu überlegen.

Die komplexe Struktur unserer modernen Ökonomie, die starke arbeitsteilige Gliederung der Produktion lassen beim individuellen Wirtschafter leicht das Gefühl aufkommen, er sei ja nur ein Rädchen im großen Getriebe. Die Gesetze des Handelns würden ihm quasi von den andern aufgedrängt, und im gesamten gesehen seien seiner kaufmännischen Freiheit eigentlich sehr enge Grenzen gesetzt. Diese resignierende Feststellung erstickt manchen schöpferischen Antrieb im Wirtschaftsleben; sie läßt den Unternehmer in Routine, in öden Gleichschritt verfallen, wo eigentlich persönliche und phantasievolle Initiative nötig wäre.

Und wahrlich, etwas mehr Phantasie wäre allenthalben von Vorteil. In der Herstellung von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern z. B. kommt es durchaus nicht immer nur auf die Größe der Forschungs- und Entwicklungsabteilung an, ob etwas Neues geschaffen werden kann. Manchmal ist nur eine unvoreingenommene Einstellung der Betriebsführung nötig, um aus guten Ideen aller Werksangehörigen Verbesserungen und Neuerungen am bisher Produzierten hervorzubringen. Neu kombinieren, alles Gewohnte und Normale immer wieder überprüfen, keinen Arbeitsprozeß sich selbst überlassen – dies allein schon schafft gute Ansätze zum kaufmännischen Erfolg. Auf der einen Seite wird dadurch das Gut, das der selbstkritische und findige Unternehmer auf den Markt bringt, „wertvoller“, seine Dienstleistung für den Kunden also größer und damit sein Absatz breiter; anderseits gewinnt sein Betrieb die „internen“ Vorteile, die sich mit der rationelleren, kostengünstigeren Herstellung abzeichnen. Und gerade auch der Dienstleistungsbetrieb, vor allem der Handel und das Kleingewerbe sollten diese Vorteile laufend nutzen.