Von Marcel

Vor drei Jahren bedauerte ich im Gespräch mit einem vortrefflichen deutschen Literaturkritiker, daß man in Deutschland nur zwei polnische Schriftsteller kenne – die beiden Nobelpreisträger Sienkiewicz und Reymont. Er antwortete:

„Wer ist Reymont?“

Inzwischen kennt man noch einen schreibenden Polen: Marek Hlasko. Denn er hat Sonja Ziemann geheiratet.

Immerhin haben die Leser in der Bundesrepublik jetzt wenigstens die Möglichkeit, einiges von der polnischen Gegenwartsliteratur kennenzulernen. Wie ist es dazu gekommen?

Bei Tucholsky heißt es einmal: „Der Verleger tat das, was Verleger immer tun: er setzte zu.“ So geschrieben im Jahre 1921. In dieser Hinsicht hat sich jedoch inzwischen nicht so sehr viel geändert. Die deutschen Verleger klagen, stöhnen und ächzen, weil sie „zusetzen“ müssen. Und suchen hartnäckig neue Autoren, um weiter „zusetzen“ zu können.

Neuerdings suchen sie auch in jener Hauptstadt, in der die Bundesrepublik, wie bisher, lediglich von drei Pressekorrespondenten vertreten wird – in Warschau also. Man braucht nicht daran zu erinnern, mit welcher ungeheuerlichen Hypothek das deutsch-polnische Verhältnis belastet ist. Man weiß, daß die Staatsmänner, jedenfalls die in Bonn, so gut wie nichts getan haben, um zu einer Verbesserung dieser Beziehungen beizutragen. Aber im Bereich der Literatur wurde – ziemlich still und unauffällig – doch einiges getan. Übrigens haben damit die Polen angefangen.