DÜSSELDORF (Schauspielhaus):

Maria Wimmer auf neuer Bühne

Karl Heinz Stroux hat durch den Einfall und die Initiative des Stadtplaners Prof. Tamms eine langentbehrte Studiobühne bekommen. Sie heißt „Tribüne“, war ehemals ein Restaurant („Zum Karl“, ein Künstlerlokal), lag dann im Besitz der Landesregierung brach und ist nun in fünfeinhalb Wochen aus „eingespartem“ Zuschuß vom Schauspielhaus selber ausgebaut worden. Die 119 Zuschauerplätze sollen nicht nur für öffentliche Experimente mit Stücken benutzt werden, sondern auch dem Jugendtheaterforum dienen, einem Unternehmen, durch das vom Düsseldorfer Schauspielhaus junge Menschen (in eigener Arbeit) mit der Bühnenpraxis vertraut gemacht werden. – Auf die Eröffnungsvorstellung der „Tribüne“, Samuel Becketts „Glückliche Tage“, fiel ein Schatten: Der männliche Partner Winnies, Rudolf Therkätz, war am Tage vor der Premiere an einer Gehirnoperation gestorben. „Stroux versagte die Stimme, als er dem Publikum dies mitteilen mußte“, berichtet der Kölner Stadtanzeiger. Therkätz war seit Kriegsende ein vielseitiges Mitglied des Düsseldorfer Schauspielhauses gewesen. (Otto Ströhlin übernahm schnell die kleine Ballett-Rolle.) Nach Berta Drews (Berlin) und Grete Mosheim (Köln) war Maria Wimmer die dritte deutsche Darstellerin der Winnie in Becketts vieldiskutiertem Spiel vom Verhalten des Menschen (in zwei Situationen) vor dem sicheren Untergang. Die Rheinische Post bezeichnet es als „vergänglichen Banalismus“. Der Mittag spricht halb verächtlich von „Wonnen der Verwesung“ bei Beckett. In den Düsseldorfer Nachrichten wird Maria Wimmer mit Berta Drews verglichen: „Beide sprechen denselben Text, und doch üben sie eine ganz verschiedene Wirkung aus. Die Drews spielt ein Weibchen, das sich ... über ihre hoffnungslose Lage hinweglügt – die Düsseldorfer Winnie weiß, was ihr geschehen ist und was ihr bevorsteht. Bei ihr bekommt der banale Text Bedeutung und Unbedingtheit; jeden Augenblick erwartet man von der Tragödin Wimmer ein Aufbegehren gegen das Schicksal.“

STUTTGART (Staatsoper):

Webers „Oberon“ neugefaßt

„Die bekannteste der unbekannten Opern“, C. M. v. Webers musikalische Feerie, ist von dem Regisseur Ernst Poettgen für die Bühne „gerettet“ worden, indem die „Sudelarbeit“ des ursprünglichen Librettisten J. R. Planche getilgt wurde. Da die Vorlage für das „miserable“ Libretto ein Versroman von Wieland war, „hat Poettgen, nach Motiven von Wieland, ein Libretto zu Webers Musik geschrieben“. Carl Dahlhaus interpretiert die dramaturgisch-inszenatorische Neufassung in der Stuttgarter Zeitung: Obwohl „Weber Planches Text ernst genommen zu haben scheint“, findet Dahlhaus, „daß Poettgen im Recht ist, wenn er so inszeniert, wie Wieland erzählt, in einem Tonfall, der sich in der Mitte zwischen Ariost und Wilhelm Busch hält.“ Kennzeichnend für die Inszenierung und die Umstrukturierung ganzer Partien sei Poettgens „Neigung zu ironischer Distanzierung“. Dem gleichwohl unvermeidlichen Revuecharakter der Oper „Oberon“ dienten Dekorationen von Jean-Pierre Ponnelle mit „Geschmack auch in der Stillosigkeit“. Die Ballettszenen pointierten den ironischen Gesamtstil durch penetrant „präzise“ Nachzeichnung der Musik. In solchem Rahmen sollte der Dirigent Ferdinand Leitner dem romantischen Musiker Weber zum Recht verhelfen. Eigentlich kann es nicht wundernehmen, daß Leitner „das für Weber Charakteristische“, das der Kritiker Dahlhaus dann doch reklamiert, nicht immer getroffen habe. Jac