Nach der Konferenz von Bermuda: Berlin-Konzessionen sind wieder im Gespräch

Hamilton (Bermuda), im Dezember

Drei Themen vor allen anderen beherrschten die Bermuda-Konferenz zwischen Präsident Kennedy und Ministerpräsident Macmillan: die Wiederaufnahme der Atomversuche, Berlin, Kongo.

Beide Staatsmänner hatten ihre leitenden Atom-Spezialisten mitgebracht, von denen sie sich über die Auswertung der letzten sowjetischen Versuchsserie berichten ließen. Einzelheiten darüber wurden nicht bekannt. Niemand bestreitet aber, daß die Russen wichtige Fortschritte in der Erprobung sehr schwerer und auch „sauberer“ kleiner Sprengköpfe gemacht haben. Das Wichtigste: sie sind der Entwicklung einer Antiraketen-Rakete anscheinend näher gekommen. Wer jedoch zuerst über einen Flugkörper verfügt, mit dem er interkontinentale Angriffsraketen im Flüge zerstören kann, der hat das Gleichgewicht der Abschreckungskräfte zu seinen Gunsten aufgehoben. Darum geht der Atomwaffen-Versuchswettlauf jetzt vor allem.

Die amerikanischen Militärs und auch einflußreiche Kongreßleute fordern daher eindringlich eine Wiederaufnahme der amerikanischen Atomwaffenversuche in der Atmosphäre. Auch britische Wissenschaftler haben neue Atomsprengköpfe erdacht, die sie erproben müssen. Der innenpolitische Widerstand gegen solche Versuche ist zwar in Großbritannien stärker als in den USA. Dennoch wurde in der vorweihnachtlichen Bermuda-Konferenz die Fortsetzung von Tests in der Atmosphäre praktisch beschlossen. Die Vorbehalte beider Seiten sind sehr theoretisch. Macmillan will erst mit seinem Kabinett darüber beraten, ob die britischen Weihnachtsinseln im Südpazifik auch den Amerikanern zur Verfügung stehen sollen, da die USA wohl Schwierigkeiten mit der UN haben würden, wenn sie abermals das Eniwetok-Atoll benutzten, das nur unter ihrer Treuhandschaft steht.

Wenig Optimismus

Beide Regierungschefs unterstrichen indessen noch einmal ihre Hoffnungen auf Abrüstungsfortschritte. Überraschend ist, daß auch Fortschritte in der Berlin-Frage mit den Atomwaffenversuchen in Verbindung gebracht wurden. Es müßten aber in beiden Komplexen schon Kehrtwendungen der Sowjets kommen, wenn die beiden angelsächsischen Atom-Mächte keine Notwendigkeit für Versuchsserien mehr sehen sollten.