SÜDWESTFUNK 16. Dezember, das Hörspiel:

Nach der gleichnamigen Novelle von Hans Erich Nossack schrieb Fritz Werf dieses Hörspiel.

Eine Frau ist verschwunden. Der Ehemann steht angeklagt vor Gericht. Die Fragen des Gerichtspräsidenten und des Staatsanwalts sind klar. Der Angeklagte aber müht sich vergeblich, die schemenhafte Situation seiner Ehe in vielen Umschreibungen und rätselhaften Andeutungen verständlich zu machen. Es war eine „weiße“ Liebe, in der alles Sexuelle als unrein und zerstörerisch ausgeschaltet war. Doch einmal hatte sich für einen Augenblick die Revolte angedeutet. Da verschwand die Frau. Unvermittelt bricht das Verhör ab. Die Worte schweben im weiten Raum und deuten nicht die kleinste Lösung an. Alle provozierten Fragen bleiben offen. Alle Antworten sind möglich.

Es überläuft einen ein Schauder über diese Anhäufung gespenstischer Probleme, die nach Ergründung geradezu schreien, aber wiederum jedes Bemühen um Erfassen gleichsam im Ansatz, ersticken. Und dann entdeckt man verärgert, daß alles Kopfzerbrechen um dieses Stück nur eine romantische Anwandlung zur Ordnung ist, die von den Autoren mit irgendeiner Absicht – welcher, bleibt unergründlich – angestachelt wurde. Es gelingt einfach nicht, ohne waghalsige Hermeneutik einen Zugang zu ertappen. Sollte im pathologisch wirkenden Einzelfall ein allgemeingültiges Symbol zu erkennen sein? Sollte schockiert, eine neue Moral verkündet werden? Nur das sichere Gefühl bleibt, daß alles von Bedeutung ist.

Wenn schon ein so anspruchsvolles Hörspiel während der Hauptsendezeit geboten wird, sollte wenigstens der Schlüssel, zum Verständnis in einem Vorwort mitgeliefert werden. H. K.