Vorbemerkung: Über Falschschreibung läßt sich nur räsonieren, wenn man der Auffassung ist, daß es so etwas wie „Rechtschreibung“ gibt. Dieser Auffassung huldigen wir in der Tat, auch wenn wir uns damit dem Vorwurf „phantasieloser Dudentreue“ aussetzen, was soviel heißt wie „ohne Gespür für die Entwicklung der Sprache, für ihr Leben und ihre laufende Erneuerung“. Sei’s drum.

Falsch ist – vom Standpunkt der Rechtschreibung –, wenn sich jemand, der Wilhelm heißt, Willy schreibt. Die deutsche Kurzform von Wilhelm ist nun einmal Willi (oder Wilm), aber nicht Will-y. Willy ist die englische Kurzform für William.

Mag getrost der Eindruck entstehen, der Autor schreibe in eigener Sache. Er führt in der Tat seit Jahr und Tag einen ebenso erbitterten wie aussichtslosen Kampf gegen die Verwelschung seines Vornamens. Womit er zu erkennen gibt, daß er einer geheimnisvollen Wirkung der Falschschreibung noch nicht auf die Spur gekommen ist. Diese Wirkung wird in der Werbefachsprache (advertising spoken – english spoken) mit „sales appeal“ bezeichnet.

Würden wir Staubsauger oder Kreppapier unter eigenem Namen an den Mann zu bringen haben, wir müßten, um im harten Wettbewerb zu bestehen, unserem Vornamen Gewalt antun. Denn: Will-y „verkauft“ sich besser als Willi. Das Ypsilon hat einen ungleich größeren Appeal, macht mehr Eindruck als das kleine i. Das Ypsilon ist sozusagen die Exportausgabe des i, es ist raffiniert, leicht exotisch, beinahe erotisch. Das kleine i ist einfach, allzu einfach, mit einem Stich ins Vulgäre.

Typographisch und werbepsychologisch hat das i einen Leidensgefährten im z. Das z ist nicht nur in der alphabetischen Reihenfolge zuallerletzt dran. Der runenhaft kantige, teutonische Schriftzug ist der Konkurrenz des romanisch eleganten c schon längst nicht mehr gewachsen. Das C ist – nicht nur in Verbindung mit D – diplomatisch, aristokratisch, was man will. C „verkauft“ sich einfach besser als Z.

„Warum schreiben Sie eigentlich Zigaretten mit c?“ Auf diese einfältige Frage an einen hochdotierten Texter – so heißen die Werbefachleute, die mit der Sprache auf besonders innigem Fuße stehen – erhielten wir prompt zur Antwort: „Cigaretten mit z – das geht gar nicht.“ Sieh mal einer an. Hinterher eröffnete man uns, daß es so etwas wie ein stillschweigendes Abkommen der Zigarettenindustrie gibt, eine geheime Verschwörung gegen Herrn Duden. Danach soll mit dem c für Cigaretten die Distanz, pardon Distance zum Zigarren-feeling hergestellt werden. (Feeling ist das ungleich treffendere Wort für das altfränkische „Gefühl“.) Cigaretten mit z verkaufen sich einfach nicht: „Denn Zigarren raucht der Mann.“ Ist dies schon Tollheit, hat es doch – offenbar – Methode (Polonius).

Es ist wahrhaftig nicht bloßer Übermut oder bare Unkenntnis der Regeln, die die Werbefachleute mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß geraten läßt. Wir sind denn auch weit davon entfernt, mit einer Variante des schicksalschwersten aller Slogans – „Studienräte aller Bundesländer vereinigt euch“. – die berufenen Hüter unserer Schriftsprache auf die Barrikaden zu hetzen.