Die bloß erlernte Wahrheit klebt an uns wie ein angesetztes Glied, ein falscher Zahn oder eine wächserne Nase, die durch eigenes Denken erworbene aber gleicht den natürlichen Gliedern, und sie allein gehört uns wirklich an. –

Schopenhauer

Pointen des Literatwbetriebs

Eine der übelsten – sagen wir „übelsten“? ja, wir meinen: übelsten – Abkanzlungen des Tübinger Walter Jens, Literatur-Enthusiast zwischen drei Stühlen: 1. akademischer Altphilologe, 2. journalistischer Rezensent der Gegenwartsliteratur, 3. Schriftsteller und Romancier, eine der übelsten Abkanzlungen von Jens also stand vor kurzem in der Zürcher „Tat“ zu lesen. Als Autor zeichnete: Hans-Egon Holthusen. Schiff-Holthusen ist nicht nur Leiter des New Yorker Goethe-Hauses, sondern von fern her auch Leiter der Klasse „Literatur“ an der Berliner Akademie der Künste. Pointe: Die Berliner Akademie der Künste wählte (wiederum etwa gleichzeitig) zu neuen ordentlichen Mitgliedern Walter Höllerer und – Walter Jens!

Nur noch drei

Das Lektorat für Poetik, das die Münchner Universität und die Bayerische Akademie der Schönen Künste gemeinsam veranstalten, wird im Wintersemester unter dem Motto „Die Kunst der Erzählung“ fortgesetzt. Aber es sind nur noch drei Autoren, die im Auditorium Maximum lesen: Stefan Andres machte den Anfang, Werner Bergengruen und Gerd Gaiser sollen folgen. Eingeladen waren außerdem Heinrich Böll und Uwe Johnson, beide aber haben abgesagt. Es sieht also aus, als ob die von den Studenten sehr begrüßte Einrichtung bald sanft entschlafen werde.