FÜR Verehrer des Meisters Dürer (und erst recht für die anderen, denen er nur Respekt einflößt)

Albrecht Dürer: „Schriften, Tagebücher, Briefe“ – Auswahl und Einleitung von Professor Max Steck; Kohlhammer Verlag, Stuttgart; 235 S., 19,80 DM.

ES ENTHÄLT Autobiographisches: die „Familienchronik“ von 1524, das fragmentarische „Gedenkbuch“, das „Tagebuch der Niederländischen Reise“ aus den Jahren 1520/21, Briefe und Urkunden (darunter die zehn Briefe an Pirckheimer aus Venedig), die Bücher „Underweysung der messung“, „Befestigungslehre“, „Proportionslehre“, wissenschaftliche Standardwerke der Reformationszeit, die nachgelassene „Speis der Malerknaben“, die Summe kunsttheoretischer Überlegungen und praktischer Erfahrungen.

ES GEFÄLLT, weil Dürer, je länger man ihn liest, immer weiter von dem gravitätischen altdeutschen Podest heruntersteigt, auf das ihn die Nachwelt gestellt hat; Das Denkmal wird lebendig. Dieser authentische Dürer ist ganz unfeierlich, ist vergnügt, ausgelassen, niedergeschlagen, ärgerlich, sehr genau, wenn’s ans Bezahlen geht, bis über die Ohren in den Lebenskrempel verstrickt – und im nächsten Augenblick turmhoch darüber. Das Buch gefällt auch deswegen, weil Max Steck sich in der Einleitung und den Anmerkungen erfreulich knapp zu fassen weiß: „Wir können Albrecht Dürer heute am besten dienen, wenn wir ihn selbst sprechen lassen.“ g. s.