Von Edmund Wolf

Ich will Filmkritikern nicht ins Handwerk pfuschen, aber über den superkolossalen Breitwand-Farbfilm „König der Könige“, der New York und London schon seit einiger Zeit allabendlich beglückt und Hamburg zu Weihnachten erreichte, möchte ich doch, mit Verlaub, etwas sagen.

Produzent S. Bronston stellte fest, daß die Evangelien kein Wagenrennen enthalten wie „Ben Hur“. Schlimm genug. Aber daß er viele Millionen Dollars in die Geschichte Christi hineinstecken sollte, ohne eine einzige Schlachtenszene wie im „Spartacus“ herauszukriegen, das war ihm doch nicht zuzumuten.

Und so rief bei einer Story-Konferenz einer aus, vielleicht der Drehbuchautor Philip Yordan oder der Regisseur Nicholas Ray oder Mr. Bronston höchstpersönlich: „Was ist denn mit dem Barabbas? Könnte der nicht der Führer einer nationalistischen Erhebung gegen die Römer in Judäa werden?“

So wurde Barabbas ein nationalistischer Rebell und Judas sein Adjutant.

Dann kamen sie bei ihren Story-Konferenzen zur Bergpredigt und stellten fest, daß da wenig los war. Wie Philip Yordan klagend sagte: „Die ganze Bergpredigt kann man in zwölf Sekunden lesen.“ (Er liest sehr schnell.)

Und so rief einer bei der Story-Konferenz: „Könnte nicht zum Beispiel die Frau des Pontius Pilatus bei der Bergpredigt dabeisein?“