Das Börsenjahr 1961 ist in Frankreich allen Befürchtungen zum Trotz weniger schlecht gewesen, als zeitweilig zu befürchten war. Der Durchschnitt der Kursgewinne von ungefähr 20 % gegenüber dem Beginn des Jahres 1961 besagt wenig, denn die Kurse für Warenhäuser haben sich beispielsweise in letzter Zeit verdoppelt; Grundstücksgesellschaften, Versicherungen, Nahrungsmittel- und Elektrizitätswerte sowie besonders die Elektronik-Papiere weisen Steigerungen zwischen 30 und 60% aus, Das Jahr 1962 wird weiter durch Sonderbewegungen gekennzeichnet sein. Die Frist für die steuerlichen Vorteile bei der „Aufwertung“ der Bilanzen läuft mit dem Ende des Jahres 1962 ab. Zahlreiche Aufstockungen der Nominalwerte sowie die Ausgabe von Gratisaktien, gemischt mit Kapitalerhöhungen gegen Barzahlung zu günstigen Kursen werden die Folge sein.

Die Konzentrationsbewegung in der Industrie geht in verstärktem Tempo weiter. Der Zusammenschluß von ICl und Courtaulds wird als Antwort auf die Umorganisierung in den Konzernen Rhone, Poulenc und Celtex angesehen und zweifellos weitere Kreise, wahrscheinlich durch Einbeziehung von Snia Viscose ziehen.

Die Gillet-Gruppe ist gleichfalls noch nicht am Ende ihres Reorganisationsprogramms angelangt. Die beiden großen Glaskonzerne (Saint-Gobain und Glaces de Boussois), hinter denen die amerikanische Libby Owens-Gruppe steht, bemühen sich um Abrundung ihrer europäischen Interessen. Boussois wird wahrscheinlich seine deutsche Beteiligung Delog ganz übernehmen. In der Automobilindustrie sind Bestrebungen vorhanden, einen großen europäischen Konzern, wahrscheinlich durch Annäherung von Citroën, Simca und Fiat unter dem wachsamen Auge von Michelin und Chrysler zu bilden.

Die französische Erdölindustrie wird nicht abseits stehen. Petroles d’Aquitaine haben ihren Plan des Ausbaus ihres Naturgasnetzes programmgerecht im vergangenen Jahr beendet. Die Gesellschaft schickt sich nun an, ihre Kontakte mit der chemischen Industrie zu verbreitern. Aquitaine ist zu einem der größten Schwefelproduzenten der Welt geworden. Die Gesellschaft wird eine Umstellung ihrer Aktien, die zur Zeit noch mit einem Nominalwert von 10 NF ausgestattet sind, auf 50 NF durchführen, wobei den Aktien nären auf vier alte eine Gratisaktie gegeben wird. Große neue Bewegungen stehen ferner in der Verlagsindustrie bevor. Presses de la Cité werden wieder eine Gratisaktie auf vier alte Aktien verteilen und wahrscheinlich neue Kapitalerhöhungen durch Ausweitung ihres Interessenkreises vornehmen. Alle Gesellschaften, die sich mit der Warenverteilung befassen, sind in Bewegung. Dazu gehören auch die Handelsgesellschaften, die in dem alten französischen Kolonialreich ansässig sind und nun nach neuen Aufgaben suchen.

Retlaw