Daniel Solod, der sowjetische Botschafter in Conakry, mußte jetzt Guinea verlassen. Präsident Sékou Touré, der im Westen als „moskauhörig“ abgestempelt war, hatte seine Abberufung gefordert.

Die sowjetische Botschaft unterstützte in Guinea all die Elemente, die glaubten, daß eine bündnisfreie Politik eine engere Verbindung mit dem kommunistischen Block nicht ausschließe – eine Ansicht, die besonders unter den Jüngeren weite Verbreitung fand. Als Sékou Touré sich im November auf einer Propagandatour im Landesinneren befand, wurde in der Hauptstadt unter der Führung junger Leute gegen die Regierung demonstriert. Die Untersuchung ergab, daß „die Quelle der Unruhen die Botschaft eines osteuropäischen Landes war“. Offensichtlich hatte Solod seine Finger im Spiel.

Aber nicht nur mit ihm hat Sékou Touré schlechte Erfahrungen gemacht. Auch die Verbindung mit der Sowjetzone erwies sich als recht unglücklich. Eine Handelsorganisation – wohl nach dem Vorbild der HO – sollte von Beratern aus Ostberlin aufgezogen werden. Das Experiment scheiterte ziemlich kläglich.

Die Solod-Affäre hat für Sékou Touré zumindest ein Gutes. Schon seit langem verhandelte Guinea mit den USA über wirtschaftliche Hilfe zur Ausbeutung der reichen Aluminiumvorkommen in Konkourie. Nach dieser Demonstration der Neutralität sind die Chancen für ein Abkommen mit den USA erheblich gestiegen. C. L.