Ein breites Produktionsprogramm hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile sind darin zu sehen, daß das Unternehmen gegen Konjunkturabschwächungen in einzelnen Branchen gesichert ist, daß es niemals voll von einem Rückgang in einem ganz bestimmten Bereich erfaßt werden kann. Einem solchen Unternehmen wird es andererseits aber im allgemeinen versagt sein, in die Gruppe der Spitzenverdiener aufzurücken, weil man bei einer Streuung über mehrere Branchen immer damit rechnen muß, daß es nicht an allen Stellen Aufträge und Gewinne hagelt.

Ein breites Produktionsprogramm hat die Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Köln. Für sie scheinen aber nur die Vorteile zu gelten, denn diese Gesellschaft legt nun schon den dritten Abschluß vor, der von einer Vollbeschäftigung in allen Sparten des Fabrikationsprogramms berichtet. Und es ist schon heute ziemlich sicher, daß auch für das Geschäftsjahr 1961/62 ähnliches zu sagen sein wird. Für den Aktionär bedeutet das, daß er die Ernte der Hochkonjunktur einfahren kann, ohne einen Kater befürchten zu müssen. Wenn sich das Blatt einmal wenden sollte, dann bietet ihm die Struktur seines Unternehmens die Gewähr dafür, daß die Erträge nicht ins Bodenlose sinken und immer noch mit einer halbwegs anständigen Dividende gerechnet werden kann.

Die unveränderte Dividende von 14 % für das Geschäftsjahr 1960/61 (30. Juni), die der Hauptversammlung am 19. Januar vorgeschlagen wird, steht zu der guten Ertragslage in allen Bereichen in einem scheinbaren Widerspruch. Sie bringt nämlich nicht zum Ausdruck, daß sich die „Bemessungsgrundlage“ inzwischen entscheidend geändert hat. Das Unternehmen hat nämlich das Grundkapital aus Gesellschaftsmitteln um 70 auf 105 Mill. DM erhöht und weitere 5 Mill. DM aus einem genehmigten Kapital freihändig verkauft, so daß diesmal 110 Mill. DM zu bedienen sind. Das bedeutet, daß der Ausschüttungsbetrag mit 15,4 (9,8) Mill. DM um 57 % höher ist als 1959/60.

Sicher ist das Unternehmen mit dem Dividendensatz von 14 % abermals nicht an die Grenzen des Ertrages herangegangen, genauso sicher kann sich KHD aber im Konzert der Maschinenfabriken, sehen lassen. Der Dividendenbetrag macht 3,46 % vom Rohertrag aus, im Durchschnitt der deutschen Maschinenfabriken sind es 3,24 %. Bezogen auf das Eigenkapital, schüttet KHD sogar 9,2 % gegen 6,4 % im Durchschnitt aus. Man kann deshalb getrost sagen, daß die Gesellschaft ihre Aktionäre nicht zu kurz kommen läßt.

Zum zweitenmal in der Geschichte des Unternehmens hat der Umsatz die Milliardengrenze überschritten. Er erreichte 1,12 (1,02) Mrd. DM, und die im Vorjahr noch etwas skeptische Verwaltung ist nunmehr der Auffassung, daß der Durchbruch durch die „Schallmauer“ nunmehr als gelungen gelten kann. Vorstandsvorsitzender Dr. Heinrich Jakopp rechnet damit, daß der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr auf 1,28 Mrd. DM steigen wird. Zwar gilt es als sicher, daß die Auftragseingänge nicht mehr wie bisher weit über die Lieferungen hinausgehen werden, die vorhandenen Bestände sichern jedoch die volle Beschäftigung bis über das Ende des laufenden Geschäftsjahres hinaus.

Eine besondere Rolle hat wieder einmal der Export gespielt, der um 24 % auf 404 Mill. DM zunahm und damit seinen Umsatzanteil auf 36 (32) % erhöhte. Damit scheint es aber ein Ende zu haben, denn für das laufende Jahr rechnet man nur mit einer Exportzunahme um 7 %, während der Inlandsumsatz um etwa 15 % steigen soll.

Die Umsatzsteigerung im laufenden Geschäftsjahr erfordert erneut eine Ausweitung der Kapazitäten. Wieder sollen 50 Mill. DM investiert werden, Schwerpunkte werden der LKW- und der Lokomotivbau sein. Das Unternehmen hat, wie Dr. Jakopp erklärte, den Ehrgeiz, in allen Branchen an zweiter, mindestens aber an dritter Stelle in der Bundesrepublik zu liegen. Dieses Ziel ist nur über eine weitere Kapitalzuführung zu erreichen, denn die Abschreibungen von rund 27 Mill. DM reichen für die Finanzierung der Investitionen bei weitem nicht aus. Der Hauptversammlung wird deshalb vorgeschlagen, ein genehmigtes Kapital von 15 Mill. DM zu schaffen. Ein Teil davon wird vermutlich wieder freihändig verkauft werden, was bei einem Börsenkurs von über 700 % recht lukrativ ist.

In der Ertragsrechnung, die wegen der Umstellung auf das neue aktienrechtliche Schema mit der des Vorjahres nur bedingt vergleichbar ist, springt der starke Rückgang der ertragsabhängigen Steuern sofort ins Auge. Sie werden mit 21,38 (46,74) ausgewiesen Dieser Rückgang hat gewiß nichts mit einer Ertragsverschlechterung zu tun, wenn auch das Ergebnis nach Angaben der Verwaltung weniger stark gestiegen ist als der Umsatz. Zu einem Teil erklärt er sich vielmehr daraus, daß es diesmal offenbar möglich gewesen ist, die Garantierückstellungen aus dem Ertrag kräftig zu erhöhen, ohne daß die Finanzbehörden daran Anstoß genommen hätten. -er