Menschikow wurde am 7. Januar 1958 zum Botschafter seines Landes in den USA ernannt. Er galt als Schützling Mikojans, unter dem er schon in den dreißiger Jahren als Fachmann für Außenhandel eine recht erfolgreiche Karriere absolviert hatte. Nach Stalins Tod trat er in den diplomatischen Dienst ein. Im August 1954 wurde er Botschafter der UdSSR in Indien.

Nach Washington kam er zu einer Zeit, als Mikojans Parole – durch Handelsbeziehungen zur Verständigung – in der sowjetischen Konzeption an Gewicht gewann. Zunächst erwarb sich der stets lächelnde Diplomat mancherlei Sympathien am Potomac. Mit jedem Jahr wurde jedoch deutlicher, daß ihm ernsthafte Erfolge versagt blieben. Durch eine Reihe von Mißgriffen, besonders während Pressekonferenzen und Fernsehinterviews der letzten Zeit, verärgerte er bereits Kreise der amerikanischen Öffentlichkeit.

Dobrynin, der dem Jahrgang 1919 angehört, ist Berufsdiplomat. Nach 1945 tauchte er als unbedeutender Beamter in verschiedenen sowjetischen Delegationen auf, die die USA und England besuchten. 1952/53 war er Botschaftsrat der Sowjetbotschaft in Washington. Bei zahlreichen schwierigen Gesprächen mit amerikanischen Diplomaten fiel er auf wegen seiner Sprachgewandtheit und seiner großen Fähigkeit, schnell Kontakt zu gewinnen. 1954 avancierte er zum provisorischen Bevollmächtigten der Regierung der UdSSR in den USA. 1959 wurde er stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen; seine Beziehung zu Hammaiskjöld war sehr eng und sehr gut. 1959 begleitete er ihn zu Chruschtschow nach Sotschi. Seit 1960 war Dobrynin Mitglied des Kollegiums des Außenminister ums der UdSSR und Leiter der Abteilung für die amerikanischen Länder.

Die Ernennung Dobrynins zum Sowjetbotschafter in den USA bietet manchen Spekulationen Raum. Soviel aber ist sicher: daß er einer der kompetentesten sowjetischen Experten für amerikanische Probleme ist – ein noch recht junger und dabei doch erfahrener Berufsdiplomat, dem das Washingtoner Pflaster nicht fremd ist und der sich dort bereits manche Freunde erworben hat.

Borys Lewytzki