Die neuernannten jungen Minister der Bundesrepublik legen sich forsch ins Zeug. Nachdem der Justizminister mit seiner Absicht, die Grenze für die Fahruntüchtigkeit eines Autofahrers auf 0,8 Promille Blutalkoholgehalt herabzusetzen, einen Sturm der Proteste auslöste, will jetzt offenbar sein Kollege vom Finanzministerium nicht nachstehen. Er hat ein ähnlich heißes Eisen, das Vertragsspielersystem im Fußball in diesen kalten Tagen angefaßt, und er kann ebenfalls bereits zumindest eine Entrüstungswelle für sich buchen.

Niemand wird dem Finanzminister das Recht bestreiten wollen, sich über neue Steuer-Einnahmequellen Gedanken zu machen und seine Vorstellungen auch öffentlich bekanntzugeben. Es muß dann erwartet werden, daß sie die nötige Sachkenntnis verraten und die Argumente überzeugend sind. Gerade dies vermißt man aber bei den Äußerungen des Ministers über das Vertragsspielerstatut, so daß der Vorwurf, „sportfremd“ zu sein, nicht zu Unrecht erhoben wurde. Auch beim „Gehalt“ der Fußballspieler geht es um eine fixe Grenze, was bei einer verwickelten Problematik von vornherein fatal ist.

Der Minister meint, wenn, wie jetzt ein Vertragsspieler 400 DM im Monat erhalte, sei das „gesund“ und garantiere eine breite Basis, wenn er aber mehr erhalte, sei dies „Starzüchtung“, die nicht im Interesse der Volksgesundheit liege. Bei 400 DM Gehalt ist also alles gut und schön, bei 600 oder 800 DM überwiegt das Kommerzielle über das Gemeinnützige, und der betreffende Verein muß nun Körperschaftssteuer bezahlen, die zum größten Teil den Ländern zufließen würde.

In der augenblicklichen Situation würde dies sicher für die meisten Klubs höchste finanzielle Bedrängnis, wenn nicht sogar Bankrott bedeuten, oder aber die Starzüchtung par excellence, die der Minister verhüten möchte – nämlich den Vollprofi-Fußball unter der Regie smarter Manager. Immer aber hätte gerade der Amateursport das Nachsehen. Die Behauptung Dr. Starkes, daß jede Erhöhung der Bezüge der Vertragsspieler auf Kosten des Amateursports geschehe, stimmt also sicher nicht.

Wenn dem Finanzminister wirklich der Amateursport am Herzen liegt, wie er vorgibt, so bieten sich andere und bessere Lösungen an, die sicherstellen, daß auch den Amateurabteilungen eines Großvereins mit einer bezahlten Fußballmannschaft genügend Mittel zufließen. Nicht schematische Festsetzung einer sowieso fiktiven Gehaltsgrenze dürfte für die Zu- oder Aberkennung der Gemeinnützigkeit eines Vereins ausschlaggebend sein, sondern die Zahl seiner Amateure und die Höhe der finanziellen Unterstützung, die diesen Abteilungen vom Gesamtverein gewährt wird.

Der letzten Verlautbarung des Ministers aus seinem Urlaubsort merkte man dann die Anwesenheit eines routinierten Referenten an, der von Bonn nach Tirol geeilt war. Inzwischen wird Dr. Stärke auch erfahren haben, daß zwischen den Finanzministern der Länder und dem Deutschen Fußballbund bereits inoffizielle Gespräche stattfanden, bei denen sich schon ein vernünftiger Kompromiß abzeichnete. – er