Funk

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

30. Dezember, das „Hörspiel“:

Schon Rudolf Kassner hat im Nachwort zu seiner

weitverbreiteten Übersetzung des Großinquisitors von Dostojewskij angemerkt, daß der Dichter seine Parabel vom Kampf der „mechanischen Welt“ gegen den Geist, gegen Christus, nicht als Theologe oder Räsoneur, nicht als Rechtender und Klagender, sondern als Dramatiker konzipiert habe. Warum sollte der Funk also die Dichtung nicht in der Rubrik „Hörspiele, ehe es Hörspiele gab“ offerieren?

Als ein Akt falscher Bescheidenheit ist dengegenüber zu werten, daß der Name des Übersetzers nicht genannt wurde, dessen Text für de Hörspielfassung benutzt wurde. Dieser Text übertrifft den Kassnerschen an Präzision, Plastizität und Musikalität.

Ernst Ginsberg sprach den Großinquisitor im einer Intensität, die um so tiefer bewegte, als nun nie das Gefühl hatte, lediglich einem Monolog zu lauschen. Vielmehr glaubte man stets, die Gegenwart des Heilands zu spüren, der sich nach fünfzehn Jahrhunderten noch einmal den Menschen in der Gestalt zeigte, in der er einst unter ihnen gewandelt ist. Bke.