Auf dem Felde der Entwicklungshilfe haben die gebenden Länder in den vergangenen Jahren sehr viel Lehrgeld zahlen müssen, weil man offensichtlich davon ausging, daß die Sympathien der Politiker der unterentwickelten Länder käuflich wären. Das war jedoch im allgemeinen nicht der Fall. Und dies beginnen anscheinend auch die Staatsmänner des Westens zu erkennen. Insofern könnte die Zeit für eine vernünftige Entwicklungspolitik nunmehr reif sein. Vernunft erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten. Es muß Schluß sein mit den leichtfertigen Millionenzusagen westlicher Staatsmänner die sich in der Rolle des Gaben verteilenden Weihnachtsmannes allzu wohl fühlten, andererseits müssen die Regierungen der Entwicklungsländer wissen, daß die ihnen zur Verfügung gestellten Steuergelder fremder Nationen nicht dazu da sind, ihr eigenes Prestige zu stärken, sie an der Macht zu halten oder kleine Privatkriege zu finanzieren.

Für Vernunft in der Entwicklungshilfe sprach sich auf der jährlichen Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg auch der Präses der Handelskammer Hamburg, Bankier Hans Rudolph Freiherr von Schröder, aus, als er forderte, daß staatliche Mittel nur für geprüfte Entwicklungsobjekte zur Verfügung gestellt werden sollten, wobei er die Prüfung nicht nur für das Objekt an sich, sondern auch für die tatsächliche Verwendung der Mittel durchgeführt haben wollte. Nach den Erfahrrungen der in Übersee versierten Hamburger Kaufmannschaft hat sich seit langem erwiesen, daß die Bereitstellung von Milliardenbeträgen aus Steuermitteln allein noch keine Entwicklungshilfe ist, und daß die Vergabe dieser Mittel nicht etwa nach politisch motivierten Anforderungen erfolgen darf, denn dann gerät man sehr schnell in die Spinnweben der politischen Erpressung. „Es ist heute vielfach üblich geworden, daß Interessenten an Entwicklungshilfemitteln damit drohen, daß sie sich an die Sowjetunion wenden würden, falls man sie nicht befriedigen würde!“ Hiergegen gibt es einen handfesten Einwand, den von Schröder so formulierte: „Der Rubel kann nicht überall rollen. Wir haben bereits unübersehbare Anzeichen dafür, daß er auch nur an gewissen Stellen eingesetzt werden soll. Nämlich dann, wenn strategische Überlegungen eine Rolle spielen oder wenn mit einem verhältnismäßig geringem Einsatz von Mitteln ganze Märkte beunruhigt werden können!“ K.W.