J. K., Paris, Anfang Januar

Die Ausgabeninflation des Staates nimmt in Frankreich beängstigende Formen an. Der ordentliche Staatshaushalt 1962 weist gegenüber dem Vorjahr eine neue Ausgabenerhöhung um rund 10 % auf. Damit sind die Ausgaben seit 1959 um 30 % gestiegen. Infolge der Wirtschaftsexpansion und einiger Steuererhöhungen konnten die Einnahmen bisher ungefähr Schritt halten. Dennoch wird das Defizit des Staatshaushaltes 1962 etwa 1,2 Mrd. NF betragen (bei 71 Mrd. NF Ausgaben und fast 70 Mrd. NF Einnahmen), nachdem 1959 und 1960 noch Überschüsse von je 1 Mrd. NF vorhanden waren. 1961 hat die Defizitwirtschaft also wieder begonnen.

Da die Staatsausgaben zum großen Teil unproduktiv sind, wird ihre Erhöhung den inflationistischen Druck verstärken, denn die Zuwachsrate der industriellen Produktion wird kaum die Hälfte des Zuwachssatzes der öffentlichen Ausgaben ausmachen. Zudem betreffen die meisten zusätzlichen Staatsausgaben Gehaltserhöhungen der Beamten, so daß die Nachfrage stärker steigen dürfte als die Zahl der produzierten Güter. Dagegen hält sich das außerordentliche Budget des Staates, das im wesentlichen Darlehen an öffentliche und private Unternehmen sowie für den sozialen Wohnungsbau enthält, in durchaus normalen Grenzen. Diese Ausgaben bewegen sich seit Jahren, zwischen 6 und 6,5 Mrd. NF und werden auf dem Kreditweg leicht gedeckt.

Die Ausgabeninflation ist eine Krankheit, die zwar auch in zahlreichen anderen Staaten wütet, aber in Frankreich seit Kriegsende die Währung besonders stark strapaziert hat. Wie die Inflation durch die Ausgabenpolitik des Staates hochgezüchtet wird, geht aus einem Vergleich der Staatsausgaben von 1952 und 1962 hervor. Sie sind in diesen zehn Jahren um rund 120 % gestiegen, während sich die Produktion nur um 80 % erhöht hat. Im gleichen Zeitraum sind die Großhandelspreise um 35 % und die Einzelhandelspreise sogar um 40 % bis 45 % gestiegen.