Von George Mikes

Hiermit warne ich England feierlich und in aller Form vor dem Beitritt zum Gemeinsamen Markt. Er würde Unglück über Unglück heraufbeschwören – nationales Unglück von katastrophalen Ausmaßen.

Schon wirft die Dezimalrechnung ihre drohenden Schatten auf die Insel, und wir müssen um unser alterprobtes System bangen. Ist es nicht ebensogut wie das kontinentale? Was sage ich! Es ist besser. Es ist britisch.

Jedes Kind auf dem Kontinent ist in der Lage, innerhalb von drei Sekunden auszurechnen, wieviel 10 % von 73 291 Francs und 18 Centimes sind. Das Komma wird einfach um eine Stelle verrückt. Nichts weiter. Wenn aber jemand 10% von 17 Pfund, 8 Schilling und 4 Pence ausrechnen will, so ist das nur in einer beglückend langwierigen Operation möglich, bei der man tunlichst einen versierten Mathematiker zu Hilfe nimmt. Was soll aus unseren armen Lehrern werden, die Jahre damit zugebracht haben, den Kindern Rechenkunststücke beizubringen, die man auf dem Kontinent in acht Minuten lernt?

Und ich frage mich weiter: Sind sich unsere Gewerkschaften darüber im klaren, welch widerliche Sitten unter den Arbeitern auf dem Kontinent herrschen? Sie arbeiten. Zwar sind die Deutschen glücklicherweise besser als ihr Ruf, denn auch sie hat der Floh des Wohlstandes gebissen. Aber die anderen sind hoffnungslos, auch die Italiener; ja sie sind jetzt vielleicht sogar die Schlimmsten. Alle arbeiten sie, arbeiten, als ob sie dafür bezahlt würden.

Gefahr droht auch den englischen Gourmets (falls dieser euphemistische Ausdruck erlaubt ist). In den letzten Jahren ist es in England Mode geworden, französisch, italienisch oder griechisch zu essen. Dafür haben die englischen Gerichte ihren Weg zum Kontinent gefunden. Wer heutzutage einen echten Lancashire hotpot haben will, muß nach Boulogne fahren. Wenn wir nun aber im Zeichen des Gemeinsamen Marktes alles Kontinentale importieren, könnte etwas Furchtbares passieren: Wir könnten unsere eigene Küche zurückbekommen.

Gefahr über Gefahr, aber den gewichtigsten Einwand gegen einen Beitritt habe ich noch gar nicht erwähnt: Durch enge Verbindung und ständige Zusammenarbeit mit Ausländern könnte sich der britische Nationalcharakter langsam und unmerklich, aber tiefgreifend verändern. Die Engländer könnten zum Beispiel logisch werden. Wären sie 1940 logisch gewesen, hätten sie das Handtuch in den Ring geworfen und den Krieg verloren. Oder sie könnten clever werden. Dabei ist der Mangel an Cleverness jahrhundertelang die Stärke des Briten gewesen. Damit hat er Geschäfte gemacht, darauf hat er sein Renommee gegründet, und, um ganz sicher zu gehen, auch das System der Public Schools. Dort sollte nämlich späteren Generationen all das an Cleverness ausgetrieben werden, was ihnen leider in die Wiege gelegt wird.