Jahrzehntelang hat Portugal im Windschatten der Weltgeschichte gelegen. Eine penibel geordnete, konservative Wirtschaft, die mäßigen Wohlstand verbreitete, ein diktatorisches Regime, das, wenn nicht Grabesruhe, so doch ein Schweigen der Angst und Resignation über das Land legte – es gab wirklich nicht viel zu berichten vom westlichen Teil der Iberischen Halbinsel.

1961 begann sich das Blatt zu wenden. Die Kaper-Affäre der „Santa Maria“ machte plötzlich aller Welt deutlich, daß es jedenfalls außerhalb Portugals schon eine wohlorganisierte Opposition gab, die zum Angriff gegen Salazar geblasen hatte. Die Unruhen in Angola, die Niederlage in der UN und schließlich, kurz vor Jahresende, der Verlust Goas – es war ein schlimmes Jahr für den altersgrauen Diktator, der seit dreißig Jahren die Macht unangefochten in den Händen hielt. Schlimm um so mehr, als nun auch in der Wirtschaft, auf deren Stabilität er immer sehr stolz war, die ersten Krisenzeichen sichtbar wurden. Die enge, ja, starre Verbindung mit den überseeischen Territorien war kennzeichnend für das ökonomische System Portugals. Kein Wunder also, daß durch die Entwicklung des letzten Jahres auch hier mancherlei ins Wanken geriet.

1962 nun hat für das Regime in Lissabon einen unheilvollen Anfang genommen. Nicht, daß der Drei-Stunden-Putsch in der Provinzstadt Beja (geleitet von einem entlassenen Armeehauptmann, wie ja auch ein entlassener Armeehauptmann den Handstreich auf die „Santa Maria“ anführte) durch eine Kettenreaktion Salazar und die Seinen schon vom Thron hätte fegen können. So stark ist die Opposition, die in „links“ und „rechts“ aufgespalten ist, wohl doch noch nicht organisiert.

Doch eines hat Beja immerhin gezeigt: daß nämlich die Beobachter unrecht hatten, die glaubten, die nationale Niederlage in Goa werde die Portugiesen – jedenfalls für eine Weile – wieder zusammenschweißen und somit Salazar starken. Ganz im Gegenteil legen offenbar die Oppositionellen zur Stunde einen neuen Sinn in jene alte Parole, die da lautet: Und im Unglück nun erst recht ...