Die Kunst der Diskussion, des Austragens von Meinungsverschiedenheiten, der fairen Polemik ist hierzulande unterentwickelt. Wie sollte das auch anders sein? Sie wurde weder durch Kaiser noch durch Führer sehr ermutigt, und auch heute noch oder wieder fänden viele das Leben bequemer ohne sie.

Was bei jedem Fußballspiel oder Boxkampf auch uns leicht begreifbar gemacht werden kann, ist offenbar bei Diskussionen schwerer einzusehen: Es muß Regeln geben, wenn das Ganze Sinn und Form haben soll.

Regel Nummer 1: Wo nicht jedem Diskussionsteilnehmer die gleiche Sprechzeit (gleich viel Platz bei Geschriebenem) zugebilligt wird, ist das etwa so, als ob beim Fußball auf der einen Seite fünf, auf der anderen zwanzig Spieler stünden.

Gegen die Regel wird immerdar und allerorten gesündigt. Und wo es einen Schiedsrichter (einen Chairman oder Gesprächsleiter) gibt, scheint der manchmal gar nicht so sehr auf Einhaltung der Regeln bedacht, sondern darauf, selber Tore zu schießen.

Regel Nummer 2: Das konkrete und nachweisbare Beispiel darf nicht nur, sondern es muß (versuchsweise) verallgemeinert werden.

Heute müssen wir, nicht aus irgendeinem besonderen, aber aus immer wiederkehrendem Anlaß, Regel Nummer 3 etablieren:

Zitate dürfen nicht nur, sondern müssen „aus dem Zusammenhang gerissen“ werden.