Die neue Mordserie des deutschen Fernsehens ist angelaufen, ein Import aus dem Englischen diesmal, der es bisher allerdings nur auf zwei Leichen gebracht hat – obwohl uns in den Programmheften in dieser Hinsicht einige Versprechungen gemacht worden sind.

Unmittelbar nach der zweiten Folge der vorläufig sehr zivilisierten Gruseltat („Das Halstuch“ von Francis Durbridge; Regie: Hans Quest), die sich in Wintersporthotels und Großstadtlokalen der traditionellen Popularität erfreut, kam auch das neue Stück der nun von Monat zu Monat interessanter und filmischer gewordenen Thilo-Koch-Serie „Weltbühne Amerika“; diesmal mit einem Bericht über den Triumph des Kriminellen im amerikanischen fernsehen. Koch nahm das Faktum sehr überlegt auseinander, holte Mitglieder der staatlichen Überwachungskommission und Produzenten privater Televisionsprogramme vor die Kamera, argumentierte von verschiedenen Standpunkten aus und zeigte sich gemäßigt erschreckt über ein staunenswertes Ergebnis der Statistik: Die amerikanische Durchschnittsfamilie sieht 5–6 Stunden täglich fern. Das nämlich wäre für uns ein Albtraum auch dann, wenn da unaufhörlich Kunst aus dem Gehäuse käme.

Sonst brachte die Fernsehwoche noch eine televisionierte und dabei ganz und gar ruinierte Erzählung des bemerkenswert begabten Nachwuchserzählers Klaus Roehler („Der achtzehnte Geburtstag“, Baden-Baden) und eine zweitrangige Fernsehadaption von Anouilhs „Becket“. Weshalb wurde, zum Donnerwetter, dann nicht lieber eine der vorzüglichen Bühneninszenierungen ausgestrahlt?

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