„Eins – zwei – drei“ (USA; Verleih: United Artists): „In Amerika gibt es zwei Arten von Grafen: Fotografen und Stenografen“ – in diesem Stil kalauert Billy Wilder anderthalb Stunden über Alte und Neue Welt, Ost und West, Kapitalisten und Kommunisten. Nicht, daß er das gespaltene Berlin zum Schauplatz einer Klamotte gemacht habe (ein FDJler wird Coca-Cola-Direktor), wird man ihm vorwerfen dürfen, wohl aber, daß die Klamotte nicht mehr Witz hat. Freilich dürfte man auch erwarten, daß die Anspielungen auf zeitgenössische Realitäten einen Schatten von Stichhaltigkeit aufweisen. Statt dessen speisen sie sich aus längst ranzigen Klischeevorstellungen – wie etwa, daß alle Deutschen hackenklappende Jawohlschreier sind und junge Kommunisten eine unüberwindliche Abneigung gegen Badewannen, Friseure und Unterhosen hegen. Was etwa der deutsch-amerikanische Mischmaschdialog des Originals noch an Wortwitz enthielt, hat die Synchronisation ihm gründlich ausgetrieben. pat

„Happy-End im September“ (USA; Verleih: Universal): Ein Lustspielfilm von bester Konfektion. Ein amerikanischer Millionär und Junggeselle besucht einmal im Jahr (im September) seine Riesenvilla in Italien. Seine italienische Freundin erscheint dann auch. Aber was finden die beiden vor? Der ungetreue Hausverwalter hat die Villa heimlich als Hotel verwertet. Die Gäste des Hauses lassen sich nicht vertreiben – amerikanische College boys und girls sowie sechs italienische Nonnen. Unzählige Verwicklungen sind die Folge, bis das eintritt, was der Titel des Lustspiels besagt. – Der Film ist sehr moralisch. Die Lebensweisheiten, die die Generationen einander künden, laufen immer wieder auf das eine hinaus: Über die Moral entscheidet der Ehering am Finger. – Eine Komödie wurde die biedere Handlung erst durch die Regie Robert Mulligans, der für Lebendigkeit, Witz und Tempo sorgte. Mulligan hat sich damit in die Vergnügungsindustrie eingeordnet. Wer 1957 seine zeitbezogene und gewissenhafte Arbeit sah („Die Nacht kennt keine Schatten“), wird jetzt für den Film allgemein keinen großen Gewinn sehen – es sei denn, man habe genug Freude, in „Happy-End im September“ die komische Ader von Gina Lollobrigida und Rock Hudson zu entdecken. kub