Ein Hamburger Notar siegelte die Flimmer-Ehe zwischen Film und Fernsehen. Über die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden wurde bisher weder gern noch Viel gesprochen, schon um nicht unnötig in der schmerzhaftesten Wunde der Kinobesitzer herumzustochern. Doch nun, da auch die UFA, deren Stern am Filmhimmel noch von verblichenem Glanz nachleuchtet, sich dem Bildschirm zugewendet hat, muß auch dem Außenstehenden klarwerden, daß aus dem Flirt längst eine feste Bindung geworden ist.

Der geschäftliche Vorgang, mit dem diese Bindung jetzt in eine juristische Form gebracht wurde, scheint simpel: Die Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft mbH., die Ateliers in Hamburg-Wandsbek besitzt, und die Universum Film AG (UFA), die Ateliers in Berlin besitzt, haben gemeinsam wie Fernseh-Allianz GmbH gegründet, deren Zweck genannt wird: „Die Herstellung, die Vermittlung und der Vertrieb von Fernsehproduktionen sowie alle Geschäfte, die mit dieser Tätigkeit in Verbindung stehen

Hinter der Allianz, mit 20 000 DM Kapital nur mit einer verhältnismäßig dünnen Kapitaldecke ausgestattet, verbirgt sich die bedeutsamste deutsche Konzentration im Fernsehgeschäft. Mit ihren 18 Atelierhallen kontrollieren die Gesellschafter zwischen 35 und 40 % der westdeutschen Ateliers.

Die Eigenproduktion soll nach den Worten der Geschäftsführer Gyula Trebitsch und Dr. Max Brücher nur gering sein. Statt dessen sollen Verträge mit leistungsfähigen Produzenten geschlossen werden. Die UFA hat über ihre Beteiligungen gleich zwei an der Hand, die Ufa-Film-Hansa und die Deutsche Wochenschau. Und Trebitsch ist der von ihm mitbegründeten „Real-Film“ Walter Koppels zwar nicht mehr finanziell, aber doch noch immer freundschaftlich verbunden.

Abnehmer sollen die bestehenden Rundfunkanstalten und auch die neue Mainzer Länderanstalt für das zweite Fernsehprogramm sein, mit denen die Allianz Rahmenverträge über eine feste Zahl von Programmstunden abschließen möchte. Vier Partner dürften heute schon feststehen: Der Norddeutsche Rundfunk, Radio Bremen und das Norddeutsche Werbefernsehen, deren Geld in den Hamburger Studios steckt, und der Sender Freies Berlin, der bei der UFA bereits Mieter ist.

Die Filmproduzenten antichambrieren gegenwärtig in Bonn, um Steuermittel in ihre leeren Kassen zu lenken. Denn der Ruf nach dem Staat ist noch immer der einfachste Weg, um aus einer, geschäftlichen Bedrängnis zu kommen. Die Gründung der Fernseh-Allianz zeigt aber, daß es auch andere Wege gibt, im Filmgeschäft zu Geld zu kommen. H. M.