DIE ZEIT

Balance der Ohnmacht

Das neue Jahr hat in Frankreich schlecht angefangen. Die vielfältigen Putsch-Gerüchte sind ein Maßstab der allgemeinen Nervosität; der tendenziöse Optimismus der Regierung verrät nicht viel mehr als die Unsicherheit der politischen Planung.

Des Kremls Falle

Nun mögen zwar für ein normales Gespenst vier Jahrzehnte nicht eben viel bedeuten, für einen Geschichts-Spuk des zwanzigsten Jahrhunderts freilich ist es fast eine Ewigkeit, so daß denn auch dieser Rapallo-Geist schrecklich klapprig und altersschwach geworden ist.

Macmillans Besuch

Finanzielle Fragen haben in den Besprechungen zwischen dem britischen Premierminister und dem Bundeskanzler keineswegs die dominierende Rolle gespielt.

Molotows Wiederkehr

Wjatscheslaw M. Molotow kehrt auf seinenPosten bei der Internationalen Atom-Energie-Benörde in Wien zurück – die Nachricht ist sensationell.

Sängers Höflichkeit

In der Deutschlandfrage wolle die FDP die „mannende Unruhe“ sein und bleiben, sagte Erich Mende beim Dreikönigstreffen seiner Partei in Stuttgart.

Martin Niemöller – Fanfare im Kirchenkampf

Man kann sich fragen, ob Martin Niemöller über den Berliner Westen hinaus jemals das öffentliche Bewußtsein beschäftigt hätte, wenn es einen Hitler nicht gegeben hätte.

Mußte Clay zurückpflocken?

Ausgestattet mit einer Vertrauenserklärung seines Präsidenten ist General Lucius Clay am Dienstag von einem Wochenendtrip in die amerikanische Bundeshauptstadt nach Berlin zurückgekehrt, das er Freitag mit geschwächter Autorität verlassen hatte.

Paradoxes Provisorium Bonn

An die 250 Millionen Mark hat der Bund seit 1949 in Bauten, des „Großraums Bonn“ investiert, aber das Ergebnis ist alles andere als imponierend.

Zeitspiegel

Schweigen zu können, ist in der Diplomatie sicherlich eine nützliche, ja notwendige Eigenschaft aber es muß ein kluges Schweigen sein.

Plädoyer für den Bund

Ob es im Interesse der Bundesrepublik liegt, für die Wissenschafts- und Kulturpolitik eine ministerielle Zentrale in Bonn zu schaffen, oder ob ein solcher Schritt den deutschen Föderalismus allzu schmerzhaft treffen würde – darüber ist sehen häufig mit Feuer, aber nicht immer mit guten Argumenten gestritten worden.

Vererbte Schwierigkeiten

Die Arbeit des vierten Bundestages kommt nur langsam in Gang. Bisher hat es das Parlament noch nicht einmal zustande gebracht, die Vorsitzenden für all seine Ausschüsse zu wählen und damit die Voraussetzungen für die allgemeine Arbeitsaufnahme in den Ausschüssen zu schaffen.

Was hilft ein Minister?

Rüdiger Altmann vertritt eine Auf fassung, die mir um so problematischer wird, je länger ich damit zu tun habe. Der Pferdefuß schaut aus dem zweitletzten Absatz: An Kultur haben wir eh’ nicht viel zu bieten – also machen wir’s durch Verwaltung.

Wem gehören die Papuas?

Indonesiens Staatspräsident Achmed Sukarno ist am Montag nur mit knapper Not dem Attentat entgangen, bei dem drei Menschen ums Leben kamen und fünfundzwanzig verletzt wurden.

Tempel und Transistoren

Zwischen der britischen Kronkolonie Hongkong und der japanischen Hauptinsel Honshu liegen zweitausend Kilometer Finsternis. Ein Meer von Schwärze, bis nach zwei Stunden Nachtflug eine imposante Lichterkette großer Städte aufleuchtet –der Goldsaum des asiatischen Bettelmantels.

Bunkerverrat in Schilda

Ob’s uns paßt oder nicht – wir leben im Atomzeitalter. Ob’s uns paßt oder nicht – es werden von Regierungen, die den „Tag X“ überleben wollen, damit auch sonst noch jemand überlebe, atomsichere Bunker gebuddelt, wo immer es sei.

Den Kraftmeiern in den Bizeps

Athleten des Chansons“ nannte die Pariser Presse die „Frères Jacques“, die zur Zeit ihr Deutschland-Gastspiel in einen wahren Triumphzug verwandeln.

Spaltung des Sports?

Der spontane Abbruch des gesamtdeutschen Sportbetriebes als Antwort auf die Zerreißung Berlins wurde besonders in Kreisen, die außerhalb des Sportes stehen, sehr gelobt.

Taktik – Tempo – Technik

Chile wird im Juni das Mekka aller Fußballpilger sein. Ungefähr drei Wochen lang werden sich die 16 besten Fußball-Nationalteams der Welt im Kampf um den Pokal Jules Rimets und um die Medaillen, die äußeren Insignien der Weltmeisterwürde, gegenüberstehen.

Physik am Lenkrad

Die Statistik weist aus, daß „übermäßige Geschwindigkeit bei Berücksichtigung der Umstände“ an erster Stelle im Sündenregister der an Unfällen mit Personenschaden beteiligten Kraftfahrer steht.

Richtung Zukunft

Ein schmaler Band von 75 Druckseiten, der meines Wissens von der Öffentlichkeit bisher kaum beachtet wurde, hat mir mehr Anregung geschenkt als irgendein anderes Buch in den letzten Wochen und Monaten.

Wenn die Einsicht versagt...

Bis vor einer Woche war ich noch der Meinung, daß die Festsetzung einer Promille-Grenze für den Blutalkohol bei Trunkenheitsdelikten im Straßenverkehr eine Gesetzesüberspannung darstellt.

Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles...

Das letztemal hatte uns eine „Goldpanik“ am 21. Oktober 1960 – der übrigens auch ein Freitag war – aufgeschreckt und wieder einmal deutlich gezeigt, wie abhängig vom gelben Metall unsere freie Weltwirtschaft heute noch ist.

Geht es auch ohne Komplexe?

Tennessee Williams muß selber zu der Einsicht gelangt sein, daß es so mit ihm als Dramatiker nicht weitergehen könne. Das mag nach der Niederschrift von „Süßer Vogel Jugend“ gewesen sein.

Kleiner Kunstkalender

Zur Feier seines 70. Geburstags (und weil demnächst in Berlin am Schillertheater sein erstes Bühnenstück herauskommt) zeigt die Galerie Springer am Kurfürstendamm eine Auswahl von Henry Millers Aquarellen.

Schwere und leichte Waffen

Es ist jetzt Anfang Januar, die gefährlichste Zeit des Jahres, obwohl mancher meint, nun sei die Gefahr vorüber. Als ob nicht selbst jetzt noch ein Weihnachtsgeschenk, als Zeitzünder sozusagen, aus Neuseeland eintreffen könnte, das sich verspätet hatte, weil auch dort die Post, vom Weihnachtsverkehr offenbar völlig überrascht, einfach zusammengebrochen ist.

Und wer erzieht die Professoren...?

„Das heutige deutsche Hochschulwesen zeigt so viele Schwächen, daß es leicht ist, diese zu kritisieren und zu benennen. Schwerer ist es schon, praktische Vorschläge zu machen, die einige Aussicht auf Realisierung haben“, so schrieb der Münchner Anglist Wolf gang Clemen kürzlich am Ende eines Diskussionsbeitrages in der ZEIT (Nr.

Zeitmosaik

Laß dem Autor die Überzeugung, daß ihr beide Kulturfaktoren seid, aber sei dir selber darüber klar, daß auch der Lumpenhändler, den du ja in Form von Makulatur reich belieferst, die gleiche Daseinsberechtigung hat wie du und dein Autor.

Hüben und drüben: Rezensionen

Literaturkritik ist immer Polemik. Der Rezensent kämpft für oder gegen ein Buch, einen Schriftsteller, eine Richtung, eine Literatur.

Anspruchsvolle Fehldeutungen

Seit 1960 erscheint im Verlag Heinrich Eilermann eine kritische Gesamtausgabe der Dichtungen und Schriften Georg Heyms, in der erstmalig der reichhaltige Nachlaß des am 16.

Der andere Rilke

zusammengeordnet. Der andere, Rilke, das ist der späte, nicht der „Scheinverständnis und Scheinwelt trauen“ erweckende des Cornet und des Stundenbuchs.

Georg Heym:: Gedichte aus dem Nachlaß

Vor fünfzig Jahren, am 16. Januar 1912, ertrank Georg Heym, vierundzwanzigjährig, beim Schlittschuhlaufen auf der Havel, Obwohl er längst zu den bedeutendsten deutschen Dichtern dieses Jahrhunderts zählt, wird sein ganzes Werk erst überschaubar sein, wenn Karl Ludwig Schneider die vierbändige Gesamtausgabe seiner „Dichtungen und Schriften“ Im Verlag Heinrich Ellermann, Hamburg/München, abgeschlossen hat.

Nr. 2 vom 10. Januar 1952: Schriftsteller-Fehden

Schriftsteller-Fehden sind nicht immer (wie bei uns heute) ein Zeichen für Anarchie in der Kultur. Sie können auch echte Bruderzwiste sein, die von leidenschaftlichem Bemühen um Erhaltung des Einklangs zeugen.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT (zwischen einem Vorwort von Thilo Koch und einem – besonders empfehlenswerten Nachwort von Max Horkheimer) zehn Essays, und zwar über Moses Mendelssohn (von Paul Schallück), Heinrich Heine (von Rudolf Walter Leonhardt), Karl Marx (von Heinrich Böll), Max Liebermann (von Wolfgang Koeppen), den „deutschen Idealismus der jüdischen Philosophie“ (von Jürgen Habermas), Gustav Mahler und Arnold Schönberg (von Joachim Kaiser), Rathenau (von Rudolf Hagel-Stange), Kafka (von Walter Jens), die Berliner Kritik (von Walther Kiaulehn) und Sigmund Freud (von Alexander Mitscherlich).

Fernsehen

Die neue Mordserie des deutschen Fernsehens ist angelaufen, ein Import aus dem Englischen diesmal, der es bisher allerdings nur auf zwei Leichen gebracht hat – obwohl uns in den Programmheften in dieser Hinsicht einige Versprechungen gemacht worden sind.

Film

„Eins – zwei – drei“ (USA; Verleih: United Artists): „In Amerika gibt es zwei Arten von Grafen: Fotografen und Stenografen“ – in diesem Stil kalauert Billy Wilder anderthalb Stunden über Alte und Neue Welt, Ost und West, Kapitalisten und Kommunisten.

Funk

Wolfgang Hildesheimers Sprachphantasie, die zur Leibhaftigkeit der Bühne strebt, fand dialogische Gestalt zunächst im Funk. Hildesheimer-Hörspiele sind Repertoirewerke geworden.

Theater

Mit seinem Erstling „Jenseits vom Paradies“ (1954) bereits satirisch gestimmt, aber naturalistisch schreibend, hatte der „junge deutsche Autor“ (geb.

Wer gibt Joe Hembus einen Film?

Bei uns sind Schriften über Film, im Gegensatz etwa zu Frankreich, Italien oder England, eine Seltenheit. Aber nicht nur darum soll hier auf das Buch von Joe Hembus: „Der deutsche Film kann gar nicht besser sein“ (mit 42 Abbildungen auf 16 Tafelseiten; Carl Schünemann Verlag, Bremen; 168 S.

Am Rande vermerkt: Mach’ mal Pause...

Erfreuliche Beschwingtheit schien uns im Dezember vergangenen Jahres der Verlauf der EWG-Gespräche zu verraten. – Die zweite Stufe, sie mußte unbedingt auf den 1.

Die Reeder nehmen Kurs auf Bonn

Am 1. Oktober 1949 wurde die „Maritime Ports and Shipping Brauch“ aufgelöst, das Kontrollorgan der Alliierten für den deutschen Tonnageeinsatz.

Anzeichen der Konjunktur-Dämpfung

Der Umsatz der Osnabrücker Kupfer-und Drahtwerks (Osnabrück) ist im Geschäftsjahr 1960/61 (30.Juni) nochmals um gut 13(14)%gegenüber dem Vorjahr gestiegen, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Preise für Kupferdrahtbarren an der Londoner Börse im Berichtsjahr rückläufig waren, so daß es sich um eine echte Produktionsausweitung handeln dürfte.

Dego-Partner noch weit auseinander

Durch Gesetz vom 2. August 1961 wurde die Auflösung der Deutschen Golddiskontbank, kurz Dego genannt, bestimmt. Gleichzeitig wurden die rechtlichen Voraussetzungen für eine Altbanken-Umstellungsrechnung geschaffen.

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