BERLIN (Galerie Springer): „Henry Miller“

Zur Feier seines 70. Geburstags (und weil demnächst in Berlin am Schillertheater sein erstes Bühnenstück herauskommt) zeigt die Galerie Springer am Kurfürstendamm eine Auswahl von Henry Millers Aquarellen. Daß er seit langem und mit Enthusiasmus malt, weiß man aus seinen Büchern. Außerdem ist im vorigen Jahr bei DuMont Schauberg, kostbar ausgestattet, ein Band seiner Aquarelle und Zeichnungen erschienen, Titel: „Der Engel ist mein Wasserzeichen“. Henry Miller malt naiv, sehr bunt, sehr heiter, Phantasielandschaffen, eine Märchenstadt mit pilzförmigen Tempeltürmen („Tibet“), ein flimmerndes Geschiebe von Booten, exotische Figuren, Mädchenköpfe – alles ungemein liebenswürdig, ja harmlos, und so „anständig“, daß man die Aquarelle getrost in jedem bürgerlichen Wohnzimmer oder auch im Kinderzimmer aufhängen kann. Würde man von ihnen so viel hermachen, wenn sie nicht von Henry Miller wären? Eine müßige, eine unrealistische Frage. Sie sind interessant, weil Henry Miller sie gemalt hat. Deshalb ist es durchaus passend, daß bei Springer außer den 25 Aquarellen auch noch ihr Autor gezeigt wird: die prachtvolle Miller-Büste, die Marino Marini im letzten Sommer gemacht hat. Ferner Millers Originalmanuskripte, Photographien von ihm und den Menschen, über die er geschrieben hat, eine ausführliche Dokumentation seines literarischen Weges.

MÜNCHEN (Zentralinstitut für Kunstgeschichte): „Bild vom Stein“ Die Lithographie, die jüngste der traditionellen graphischen Techniken, ist eine Münchner Erfindung. Der Lustspieldichter Aloys Senefelder hat, zwischen 1795 und 1798, die ersten Steindrucke hergestellt, auf der Suche nach einer billigen Methode, Musikmanuskripte zu vervielfältigen. Dann bemächtigten sich die Maler dieser Zufallserfindung. Kurz nach 1800 wurde bereits in Berlin, Wien, Paris, London und Spanien mit dem Steindruck manipuliert. Das neunzehnte Jahrhundert brachte mit den deutschen Romantikern, mit Goya, Daumier, Menzel, mit Toulouse-Lautrec, dem Jugendstil und dem „Simplizissimus“ eine Entwicklung nach allen technischen und künstlerischen Seiten. Die Graphische Sammlung München zeigt an rund 300 Blättern (aus eigenen Beständen sowie aus der Privatsammlung R. A. Winkler) die Geschichte der Lithographie von ihren Münchner Anfängen bis zu den Blättern der Ecole de Paris.

PARIS (Louvre): „Braque“

Am 13. Mai 1962, ein halbes Jahr nach Picasso, wird Georges Braque, Picassos Freund und Antipode, 80 Jahre alt. Es spricht für das einzigartige Prestige des Malers, daß der Louvre ihm zu Ehren sein Prinzip, keine lebenden Künstler auszustellen, durchbricht. Die Ausstellung im Louvre ist auch durch ihren Aufbau ungewöhnlich. Sie nennt sich „L’atelier de Braque“ und will im Hauptraum die Pariser Werkstatt des Malers in der Rue de Douanier rekonstruieren, mit Staffeleien, Paletten und halbfertigen Bildern. Der Raum wird durch das Glasfenster beherrscht, das Braque für die Kirche von Varengeville, seinem Wohnort in der Normandie, geschaffen hat. Das früheste der ausgestellten Bilder sind die „Häuser in L’Estaque“ von 1908, das als erstes kubistisches Gemälde berühmt geworden ist. Es folgt die lange Reihe seiner Stilleben und Atelierbilder bis zu den Blumen und Strandbildern von 1960 und 1961. g. s.