R. S., Bonn, im Januar

Finanzielle Fragen haben in den Besprechungen zwischen dem britischen Premierminister und dem Bundeskanzler keineswegs die dominierende Rolle gespielt. Die Bundesrepublik wird ihre Rüstungskäufe in England beträchtlich ausweiten – ob es dabei um eine Größenordnung von etwa 400 Millionen DM gehen wird oder um etwas mehr, soll eine deutsch-britische Sachverständigenkommission bald klären. Die Engländer drängen dabei auf eine möglichst langfristige Zusage, Bonn möchte sich indessen, da sich ja die Devisenlage der Bundesrepublik verschlechtern könnte, nicht auf sehr weite Sicht festlegen. Aber diese Themen standen nicht im Vordergrund.

In den großen politischen Fragen – Berlin- und Deutschland-Problem, Ost-West-Beziehungen, Abrüstung, Stärkung der NATO – waren sich die Gesprächspartner im großen und ganzen einig. Lord Home berichtete Außenminister Schröder über die Erkundungsgespräche des amerikanischen Botschafters Thompson in Moskau. Auch auf britischer Seite scheint man nicht allzu optimistisch zu sein. Allerdings hat sich der Eindruck bestätigt, daß die Engländer den Sondierungen in Moskau einen etwas weiteren Spielraum geben möchten.

Der interessanteste Teil der Begegnung, das Gespräch der Regierungschefs unter vier Augen, dauerte etwa zweieinviertel Stunden. In den Tischreden sowohl Adenauers als auch Macmillans fielen einige Passagen auf, die nach Zufriedenheit klangen. Macmillan meinte, es sei ein Vorteil solcher Besprechungen ohne Zeugen, daß eine Anregung nicht gleich das Gewicht eines offiziellen Vorschlags herkomme, den man im Falle der Ablehnung nur unter einem Prestigeverlust zurücknehmen könne. Ob sich diese Andeutung etwa auf eine Anregung Macmillans bezog, den vorgesehenen Themenkreis bei den Verhandlungen mit dem Kreml in bestimmter Richtung zu erweitern oder in der Berlin-Frage noch andere Erwägungen in Betracht zu ziehen, darüber läßt sich allenfalls spekulieren.