In der Deutschlandfrage wolle die FDP die „mannende Unruhe“ sein und bleiben, sagte Erich Mende beim Dreikönigstreffen seiner Partei in Stuttgart. Wie er sich solcherlei Wirken konkret vorstellt? Bei dem Berliner Treffen der Deutschen Burschenschaft und des Coburger Convents gab er ein praktisches Beispiel: Auf der Schlußkundgebung sang er die ersten drei Strophen des Deutschlandliedes mit. Und er begründete seine Sangesfreude damit, er habe sich eben der Tradition im Kreise der Korporationsstudenten angeschlossen...

Nun kann, spätestens seit dem vorigen Jahr, an Erich Mendes flinker Anpassungsfähigkeit nicht der geringste Zweifel mehr bestehen. Allerdings wäre zu fragen, ob der FDP-Vorsitzende die politische Mimikry nicht doch um etliches zu weit treibt. Auch er sollte wohl wissen: Wer heute „Deutschiana über alles“ singt, der verdunkelt das Ziel „Einigkeit und Recht und Freiheit“; die erste Strophe des alten Hoffmannschen Liedes entzieht leicht der Forderung der dritten Strophe den politischen Boden.

Mit der Anpassungsfähigkeit ist das so eine Sache, zumal wenn beim Singen nicht des Sängers Höflichkeit, sondern seine Weisheit schweigt. Th. S.