Schriftsteller-Fehden sind nicht immer (wie bei uns heute) ein Zeichen für Anarchie in der Kultur. Sie können auch echte Bruderzwiste sein, die von leidenschaftlichem Bemühen um Erhaltung des Einklangs zeugen. Ein Beispiel dafür ist der öffentlich geführte Streit, der sich zur Jahreswende zwischen zwei lebhaft befreundeten französischen Autoren entspann: François Mauriac protestierte in einem offenen Brief gegen das, wie er meinte, dem Ansehen der Kirche abträgliche neue Theaterstück Jean Cocteaus, „Bacchus“. Der Protest war scharf und sehr persönlich. Aber gerade im persönlichen Ingrimm (den wir in angeblicher Sachlichkeit bei solchen Kontroversen zu verdrängen pflegen) kann sich der Sinn für das Gemeinsame zeigen, das über dem Unterschied von Sache und Person steht. C. E. L.